Krähen tummeln sich besonders gerne im Behrpark.
Karin Maguli (l.) und Daniela Fischer stört der Müll, den die Vögel im Garten der Kindertagesstätte St. Michael verteilen. © Marcus Schlaf (2)
Es ist ein Spaziergang mit Gruselfaktor: „Das sind Szenen wie aus Hitchcocks Film ,Die Vögel‘“, sagt Karin Maguli und zeigt auf Krähen, die in Bäumen lauern. Krächzend stürzen sie sich auf das Futter im Behrpark. Überall liegen Schalen von Erdnüssen, die sie aufgepickt haben. Schlimm seien Essenspackungen, die Krähen aus Mülleimern am Grünen Markt fischen und überall verteilen. Auch im Garten der angrenzenden Kindertagesstätte St. Michael, die Maguli leitet. „Wir haben Angst, dass Ratten angelockt werden.“ Es reicht ihnen.
Die Krähen haben Berg am Laim erobert. Anwohner, Supermärkte und Geschäfte beschweren sich über die wachsende Population, den Kot und Dreck und Leute, die Vögel füttern. Auch Tauben nehmen massiv zu. „Manche geben ihnen Wurst und gekochte Eier“, sagt Kita-Mutter Daniela Fischer. Die Tiere könnten ja nichts dafür. „Es geht darum, dass der Mensch ins Ökosystem eingreift.“ Maguli befürchtet, dass Krähen kleinere Vögel verdrängen. Die Polizei fühle sich nicht zuständig. Vonseiten der Stadt hieß es, dass ein Bußgeldverfahren gegen Unbekannte rechtlich nicht möglich sei. Man müsse die Leute selbst ansprechen. Das hat Fischer getan. Ohne Erfolg. „Ich kann ja keinen Ausweis verlangen.“ Krähensichere Mülleimer habe die Stadt nicht zugesichert.
Laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) steht das Stadttaubenmanagement mit dem Bezirksausschuss im Austausch, ob und wie ein Taubenhaus im Behrpark eingerichtet werden könne, sagt eine Sprecherin. „Bei einem Ortstermin konnte Futter als auch eine größere Tauben- und Krähenpopulation festgestellt werden.“ Für Tauben bestehe im gesamten Stadtgebiet Fütterungsverbot. Das Futter locke Schädlinge wie Ratten an. „Probleme zwischen Menschen und Rabenkrähen treten im gesamten Stadtgebiet auf.“ Man müsse zwischen Rabenkrähen und den unter das Naturschutzrecht fallenden Saatkrähen unterscheiden. Die Rabenkrähe sei, mit Ausnahme der Brutzeit, bejagbar. Über Bejagungs- oder Vergrämungsmaßnahmen innerhalb des Stadtgebietes entscheiden Grundstückseigentümer. Diese könnten bei der Jagdbehörde eine Genehmigung beantragen oder Kontakt zu Stadtjägern erhalten. Aber: „Abschussmaßnahmen gegen Vögel sind in weiten Teilen des Stadtgebietes aufgrund von Sicherheitsaspekten nicht umsetzbar.“ Rabenkrähen könnten mit Fallen gejagt werden. Die Verantwortlichen könnten außerhalb der Schonzeit dafür sorgen, dass leere Nester aus Bäumen entfernt werden und Bäume so zuschneiden, dass es weniger Nistmaterial gibt.
Warum sich die Vögel gerade so ballen, weiß Isabel Rohde vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). Saatkrähen aus dem nordöstlichen Raum fliegen im Winter in unsere Gefilde und mischen sich unter Rabenkrähen. „Sie sind sehr clever.“ Und Allesfresser. Wurst jedoch schade ihnen. „Das Salz kann zu Verstimmungen im Magen führen.“ Dass die Vögel Reste herumtragen, zeige, dass sie die Nahrung nicht vertragen. Es sei unnötig, sie zu füttern: „Die finden genug.“ Der Naturschutzbund betont, dass Rabenvögel sich um die Beseitigung von Aas kümmern. Und auch wenn sie Eier und Jungvögel fressen, „rotten sie keine anderen Vogelarten aus“.
Maguli schlendert über den Grünen Markt. „Überall sind vollgekackte Bänke“, schimpft sie. Füttern sei falsch verstandene Tierliebe. Die Kita-Leiterin sieht Erwachsene in der Pflicht: „Wir wollen den Kindern beibringen, sinnvoll mit der Natur umzugehen.“ MARLENE KADACH