Hinter dieser Fassade an der Ludwig-Hunger-Straße 12 herrscht der pure Hass.
„Er terrorisiert uns alle“: Die Hausbewohner Joachim Ernst (li.) und Bulduk Cakmakci haben die Nase voll.
Abdul S. gilt bei den Nachbarn als Übeltäter. Er muss bis 15. Dezember seine Wohnung räumen. © MARTIN HANGEN (3)
Es stinkt nach Hundekot, nach vergammeltem Fleisch – und es riecht nach Hass. Im Treppenhaus des Anwesens an der Ludwig-Hunger-Straße 12 in Hadern fällt das Atmen schwer. In Briefkästen hat jemand volle Hundetüten geworfen – und Hammelfleisch, das vor sich hinrottet. Der letzte widerliche Akt eines jahrelangen Nachbarschaftsstreits.
Schuld soll Abdul S. (36) sein, sagen mehrere Bewohner. Der bullige, stark tätowierte Umzugshelfer wohnt im ersten Stock des Sozialbaus. „Er terrorisiert uns alle, seit rund zwei Jahren geht das so“, klagt Rentner Bulduk Cakmakci (69). Sein Nachbar Joachim Ernst (52) hatte auch schon Ärger mit Abdul S.: „Ihn stört, dass wir abends oft zusammen auf der Terrasse sitzen und feiern. Dann wirft er mit Essensabfällen auf uns. Im Juni hat er mein Türschloss zugeklebt.“ Cakmakci ergänzt: „Er hat auch schon mehrere Fahrradschlösser mit Kleber zugepappt.“ Auch die Hundetüten im Briefkasten sollen von Abdul S. sein. Ernst: „Er beleidigt uns auch oft, nennt uns Hundesohn. Einer ist wegen ihm schon weggezogen.“
Bei einem Besuch vor Ort kommen mehrere Bewohner hinaus und klagen über Abdul S. Die meisten bestätigen die Vorwürfe, wollen sich aus Angst aber nicht zu erkennen geben. Einer sagt nur: „Der macht, was er will!“ Die Polizei kennt das Haus: Seit 2024 wurde sie wegen „Nachbarschaftsstreitigkeiten“ schon 20 Mal an die Ludwig-Hunger-Straße gerufen, sagt Sprecher Derya Mirzaoglu auf Anfrage.
Abdul S. gibt sich unschuldig: „Die machen hier auf Opfer. Aber das mit den Hundetüten waren sie selber. Das ganze Haus ist asozial. Die wollen mich in Schwierigkeiten bringen“, sagt er. Zum Beweis zeigt er ein Video, in dem ihn ein Nachbar nachts auf übelste Weise beschimpft. Ihn belaste die Situation sehr: „Das pack‘ ich nicht, ich hab Bluthochdruck, mein ganzes Leben ist kaputt.“ Er suche deshalb nach einer neuen Wohnung: „Ich will hier weg.“
Das muss er auch. Das Haus gehört dem Immobilien-Konzern Vonovia. Auf Anfrage sagt ein Sprecher, dass man juristische Schritte gegen Abdul S. einleiten werde – unter anderem wegen „Störung des Hausfriedens“. Hintergrund: Abdul S. habe im April einen Mitarbeiter beleidigt, so der Sprecher. Mittlerweile hat Abdul S. seine fristlose Kündigung von der Vonovia bekommen. Ein Mietverhältnis sei „nicht mehr zuzumuten“, heißt es im Schreiben. Er muss zum 15. Dezember seine Wohnung räumen. Dann wird sich zeigen, ob im Hass-Haus endlich wieder Ruhe einkehrt.THOMAS GAUTIER