Petras letztes Lebenszeichen

von Redaktion

Nach dem Mord in Pasing: Ein Freund des Opfers berichtet – „Sie war eine ganz liebe Frau“

Petra H. wurde getötet.

In diesem Haus in Pasing lebte das Opfer. © Bodmer/privat

Ihr letztes Lebenszeichen war ein Spruch über Liebe und Frieden – dann wurde Petra H. († 59) in ihrer Wohnung in Pasing erschlagen (tz berichtete)! Den Gruß schickte sie an den Mann, der sich jahrelang selbstlos um sie kümmerte. Und die Ermittlungen zu ihrem Mord erst ins Rollen brachte.

Lagerarbeiter Saudin C. (45) half Petra H. seit rund sechs Jahren. „Wir hatten uns über die Nachbarschaftshilfe Pasing kennengelernt.“ Gemeinsam mit seiner Frau (47) kaufte der gebürtige Bosnier für Petra H. ein – „in der Regel einmal die Woche“, sagt er. Die ehemalige Supermarkt-Angestellte war seit einem Schlaganfall im Rollstuhl. „Sie saß sehr viel zu Hause, meistens alleine“, sagt Saudin C. Trotzdem hatten die beiden regelmäßig Kontakt – über WhatsApp. „Sie hat sich fast täglich morgens bei mir gemeldet, meistens mit einem kleinen Gruß.“

Am Samstag, 9. November, hatte C. das letzte Mal Kontakt zu Petra: Um 8.45 Uhr schickte sie ihm über den Messenger-Dienst ein Bild eines Bären im Pyjama, der eine Tasse heißen Kaffee trinkt – dazu der Spruch: „Guten Morgen! Ich wünsche Dir einen erholsamen Samstag.“ Um 10.43 Uhr dann das allerletzte Lebenszeichen: Petra H. leitete ihm das Bild einer Frau mit einer Kerze in der Hand weiter, dazu den Text: „Ich übergebe dir das Licht des Friedens, der Liebe, des Wohlstandes und der Gesundheit.“

Saudin C. kommentierte beide Nachrichten mit einem Herz-Bildchen. Gedanken machte er sich da keine – erst am 2. Dezember kam ihm etwas verdächtig vor, sagt er. „Dienstags schickte sie mir immer ihre Einkaufsliste. Meistens wollte sie Schokolade, Dosen-Ananas, Kiwi, viel Cola-Mix – und viele Zigaretten. Sie rauchte sehr viel, das ist wohl das Einzige, was ihr geblieben ist.“ Doch dieses Mal kam keine Liste. Saudin C. schaute nach, wann Petra H. das letzte Mal online gewesen war. „Das war am Samstag.“ Am Mittwoch rief er sie an – keine Antwort. Am Donnerstag auch nicht. „Da sind meine Frau und ich zu ihr gefahren.“ Als sie gegen 19 Uhr vor der Wohnungstür standen, habe er etwas gespürt, sagt C.: „Ich hatte zwar die Schlüssel, aber mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich nicht rein soll.“ Tatsächlich lag Petra H. zu dieser Zeit tot in ihrer Küche.

Seine Frau rief um 20.10 Uhr den Hausnotruf der Johanniter an, „ihre Nummer stand auf einem Aufkleber an der Türklinke“, sagt C. „Im Notfall sollten sie sich um sie kümmern, vielleicht war sie ja im Krankenhaus.“ Aus Datenschutzgründen habe man ihm dort nichts gesagt, meint er. „Sie haben aber eine halbe Stunde später zurückgerufen und gesagt, dass sie Petra auch nicht erreicht haben.“ Laut Polizei verständigten daraufhin die Johanniter die Polizei – die brach gegen 22 Uhr mithilfe der Feuerwehr die Tür zu Petra H.s Wohnung auf. Aktuell gilt ein Bekannter (60) von Petra als tatverdächtig. Er sitzt jetzt in U-Haft. Vorwurf: Mord aus Habgier – er soll sie für ihre Bankkarten getötet haben.

Das macht Saudin C. fassungslos: „Sie war eine ganz liebe Frau, ich konnte nicht glauben, dass man ihr was antut.“ Bis zuletzt habe Petra H. versucht, so selbstständig wie möglich ihr Leben zu führen. „Ich habe ihr mal angeboten, für sie zu putzen. Sie hat abgelehnt. Das wollte sie selber machen, auch Kochen. So war sie. Sie hat gekämpft.“T. GAUTIER

Artikel 10 von 11