Auf eine Mass mit dem Krampus

von Redaktion

Wild, schauderhaft und laut: Kärntner Kreaturen stürmen das Münchner Hofbräuhaus

Wild: Einer der Krampusse hat sich doch glatt eine der Kellnerinnen gekrallt.

Sie verbreiten Schrecken – nur zum Spaß: die Krampusse im Hofbräuhaus. © Tobias Ranzinger (2)

Die kleine Yuzuki (2) ist von der Rolle. Das liegt an Walter (12). Der trägt ein Schaffell und eine schauderhafte Fratzen-Maske und er kommt mit alldem direkt auf sie zu. Yuzuki macht erst große Augen, dann fängt sie an zu schreien, ihr Kopf wird rot und sie wirft sich in die Arme ihres Papas. Pure Angst für ein paar Sekunden – so soll‘s sein. Walter (12) ist schließlich Krampus, und er lehrt mit seinen Kollegen nicht nur Yuzuki das Fürchten, sondern dem ganzen Hofbräuhaus.

Um 11 Uhr am Sonntag haben sie die Schwemme gestürmt. Sie stampfen wie Bären durch die Tischreihen voller Touristen, greifen Frauen in die Haare, laufen brüllend auf die Menschen zu. Einer hebt eine Kellnerin hoch und dreht sie waagerecht durch die Luft. Ein Gast fällt vor lauter Schreck vom Hocker. Es ist ein Chaos – und es ist ohrenbetäubend laut: Auf den Rücken hat jeder Krampus drei große Kuhglocken geschnallt. Das macht einen dermaßenen Lärm, da wird die Wirtschaft zum Glockenkrachviertel.

Die Kreaturen gehören zur Brauchtumsgruppe Lind-Rajach in der Nähe vom Wörthersee und sind wegen des Krampuslaufs nach München gekommen. 33 Leute insgesamt, 21 von ihnen als Krampus, einer als Hexe (die heißt in Wirklichkeit Olli). Vor dem Spektakel macht die Delegation des Schreckens einen Abstecher ins Hofbräuhaus. A bisserl die Touristen erschrecken, danach ein paar Mass hinter die Maske – die perfekte Grusel-Tour.

Laut Obmann René Tarmann (46) sind die Kärntner aber keine Kärntner Krampusse, sondern „Klaubauf-Krampusse“ aus Osttirol. Der Name komme daher, dass sie einen „packen, zwei, drei Mal drehen und hinwerfen“, sagt er. Das fand Tarmann einfach gut, deshalb laufen sie seit 2012 so herum. „Der Stil hat mir gefallen, das wuchtige Fell, das ganze Auftreten“, sagt der Kfz-Spengler. Und mit ihren Glocken seien sie sicher „mit die Lautesten im Zug“. Die Kostüme sind aus Schaffell, die Masken aus Zirbenholz – alles hergestellt von einem spezialisierten Schnitzer. Der ist aus dem Burgenland.

Unter den Kostümen verstecken sich Maurer, Vertreter oder Freileitungsmonteure, sagt Tarmann – bis auf seine Tochter (14) sind alle Männer (oder junge Männer). Von Mitte November bis Mitte Dezember und in den Raunächten von Weihnachten bis 6. Januar verbreiten sie Angst und Schrecken im Alpenraum. Natürlich alles im Spaß.

Es ist 13 Uhr im Hofbräuhaus. Die Krampusse haben Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat verspeist. Jetzt trinken sie noch eine Mass (bis auf Walter, der bekommt Cola) und sorgen für Stimmung: Zwei Krampusse stehen auf der Bank und prosten der Umgebung zu. Hexe Olli zeigt einer Amerikanerin, was er unterm Rock trägt. Alle machen Fotos, Videos, Selfies. Eins ist sicher: Die Gäste im Hofbräuhaus werden den Besuch der Kärtner Krampusse so schnell nicht vergessen. Schon gar nicht die kleine Yuzuki.THOMAS GAUTIER

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