Gregor Lemke, Vorsitzender der Innenstadtwirte.
Hochbetrieb herrschte am dritten Adventswochenende in der Fußgängerzone.
Licht aus, Handy an: Die Bedienungen sitzen im leeren Klosterwirt am Dom. © privat, Stache, Götzfried
Die Stadtwerke München haben am Samstag dem Kinder-Gedicht vor Weihnachten eine neue Note verliehen. „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“ haben sie um ein „k“ ergänzt. Das bescherte Wirten und Einzelhandel Frust und Finanz-Einbußen. Stromausfall in der Fußgängerzone und im Bereich vom Lenbachplatz, heißt es von den SWM. Einsatz: rund anderthalb Stunden, bis zu acht Mitarbeiter schufteten. Was war passiert?
Auf zwei Strecken waren die Kabel defekt, teilen die SWM auf Nachfrage mit. Bei der ersten Störung waren 90 Haushalte, bei der zweiten 60 betroffen. Haushalt – das klingt nach Familie Meier, die kurz die Kerzen anzünden musste. Doch „Haushalt“ ist eben auch etwa ein Wirtshaus. Wie Andechser und Augustiner am Dom, Bratwurstglöckl oder auch der Klosterwirt. Sie alle saßen im Dunkeln.
Klosterwirt-Chef Gregor Lemke ist auch Vorsitzender des Vereins Münchner Innenstadtwirte. Er hat uns das große Foto geschickt, auf dem seine Bedienungen auf ihr Handy schauen. Die Lampen sind aus, nichts geht mehr.
Lemke („Es gibt kaum einen ungünstigeren Tag im Jahr für so etwas als den Adventssamstag“) beschreibt die Folgen des Stromausfalls: „Wir mussten die 50, 60 Gäste, die schon zum Weißwurstfrühstück bei uns saßen, vertrösten und wegschicken. Sie konnten alle bar bezahlen. Die Kassen waren ausgefallen, dazu die elektrischen Schanksysteme, die komplette IT.“ Die Lüftung funktionierte nicht mehr, dafür rumpelten die Feuerschutz-Rolltüren automatisch runter. Um ca. 12.30 Uhr gab‘s wieder Strom, doch erst um 13.15 Uhr konnte Lemke wieder aufsperren, denn erst einmal musste alles hochgefahren und getestet werden. Den Umsatz-Ausfall beziffert er auf zwischen 8000 und 9000 Euro.
Auf eine ähnliche Summe kommt auch Peter Reichert, Chef vom Donisl. Sein Koch war beim Vorgaren, als der Kollaps kam. „Wir konnten erst um 12.15 Uhr aufmachen statt um elf“, sagt der Wirt. Von den SWM wurde er nicht informiert, das lief alles über Wolfgang Fischer, den Geschäftsführer von CityPartner München. Der Verein hat das Ziel, Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Co. in der Innenstadt zu stärken und arbeitet eng mit den Geschäften zusammen.
Fischer und Lemke kennen weitere betroffene Geschäfte. Dazu gehören das Flaggschiff FC Bayern World in der Weinstraße, die Cafés Kreuzkamm in der Maffeistraße und das Woerner‘s am Marienplatz, das Schmuckgeschäft Freywille in der Sporerstraße, die Pizzarei, Hirmer, Oberpollinger und Schuh Tretter. Der Umsatzausfall beträgt laut Fischer bestimmt „hunderttausende Euro“ insgesamt.
Glück im Unglück: Die oberste Liga handelte zügig. Alle loben die schnelle Reaktion von OB Reiter, Wirtschaftsreferent Scharpf und SWM-Chef Bieberbach, die durch ihren Einsatz noch Schlimmeres verhindert haben.MATTHIAS BIEBER