Jetzt wird das Eis wieder dünn. Es weihnachtet wie die Sau. Aber wer nicht aufpasst, macht sich zwischen Ochs und Esel zum Affen. Klar im Vorteil ist, wer sein Leben in Oberkirchbaching verbracht hat, eine Frau aus Mittelkirchbaching geheiratet hat und nur ab und zu, und dann auch nur widerwillig, nach Unterkirchbaching fährt. Kann man so machen. Allerdings – ich hoffe, ich verrate jetzt nicht zu viel – gibt es auch jenseits von Unterkirchbaching liebenswerte Menschen. Die pflegen eigene Weihnachtsbräuche, und die wiederum machen das Leben spannend: Wenn ein Brauch auf einen Unwissenden trifft, dann kichert das Christkind.
In Schwaben sollte man zum Beispiel vorsichtig sein, wenn man den Christbaum einer Familie betrachtet: Ein lobendes Wort – schon hat man einen Schnaps in der Hand. Aus Erfahrung weiß ich: Wenn man dann auch noch höflich ist und wegen einer weihnachtlichen Terminflut an einem Tag mehrere Familien besucht, dann wird die Kopfwehtablette schnell zum liebsten Weihnachtsplätzchen.
Überhaupt: der Christbaum! In der Familie meines Freundes Stefan gab es einmal Streit, weil neben all der schönen roten Kugeln am Christbaum auch eine mit der Form einer Essiggurke hing. Das kommt aus Amerika. Wer die Essiggurke als Erstes entdeckt, so heißt es, hat im kommenden Jahr besonders viel Glück. Stefans Oma aber entfernte die „hässliche grüne Wurst“ noch vor der Bescherung – und wurde damit zum Sündenbock bis zum nächsten Weihnachtsfest. Wenn irgendwas im Jahr darauf nicht klappte, waren Oma und die verschwundene Gurke schuld.
In Oberösterreich wird zu Weihnachten das sogenannte Störibrot gebacken. Gibt ein Mädchen einem Jungen das Scherzerl, so signalisiert sie damit, dass sie ihn durchaus heiraten würde. Blöd wird’s halt, wenn er ihr das Scherzerl zurückgibt und sagt, er hätte lieber eine Scheibe aus der Mitte des Laibs, die sei größer und weniger hart. So schnell wird ein Leberwurstbrot zum Liebestöter.
Insofern möchte ich in meiner letzten Kolumne vor Weihnachten einen guten Rat loswerden: Sollte sich in den kommenden Tagen einer Ihrer Lieblingsmenschen komisch verhalten, so kann das natürlich der weihnachtliche Lagerkoller sein. Vielleicht aber ist es auch ein Brauch, den Sie nicht kennen. Mein Tipp: erst einmal mitspielen und nach Silvester drüber reden! Oder nach Oberkirchbaching ziehen! Aber dort ist es vermutlich ziemlich fad. Frohes Fest!