Michaela Benthaus und Hans Königsmann.
In dieser Kapsel flogen die sechs Passagiere mit der Trägerrakete ins All. © dpa, afp, Blue Origin
Michaela Benthaus war als erste Rollstuhlfahrerin im All. „Es war die coolste Erfahrung.“
Ein Stück weit Schwerelosigkeit im All: Das durfte die Deutsche Michaela Benthaus (33) als erster Mensch im Rollstuhl erleben. Sie ist am Samstag als Touristin für einen Kurztrip von etwa zehn Minuten mit einer Rakete des US-Unternehmens Blue Origin in den Weltraum geflogen. Die gebürtige Kielerin, die lange in München gelebt hat, ist seit einem Unfall 2018 beim Mountainbiken von der Brust abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Mit ihr waren insgesamt sechs Touristen an Bord – darunter auch der Raumfahrtingenieur Hans Königsmann, ein weiterer Deutscher. Blue Origin gehört dem US-Multimilliardär Jeff Bezos, Gründer des Onlineriesen Amazon.
„Ehrlich, das war die coolste Erfahrung aller Zeiten“, sagte Michaela Benthaus kurz nach der Landung. Sie ist Ingenieurin bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Die 33-Jährige sei schon vom Weltraum fasziniert, seit sie als Kind „Star Wars“ gesehen habe, hatte sie vorab gesagt. Nun habe sie nicht nur die kurze Schwerelosigkeit, sondern auch den Aufstieg genießen können. „Ich denke, man soll seine Träume nie aufgeben. Es gibt manchmal die kleine Chance, dass sie wahr werden.“ Der neue Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Jared Isaacman, gratulierte ihr sogar zu der Premiere und beglückwünschte Benthaus zu ihrer Ausdauer. „Sie haben Millionen Menschen inspiriert“, erklärte er in einem Beitrag im Onlinedienst X.
Der zweite deutsche Teilnehmer an der Mission NS-37, Hans Königsmann, ist Luft- und Raumfahrtingenieur. Laut Blue Origin kümmert er sich um die Weiterentwicklung von wiederverwendbaren Raumfahrzeugen und Trägerraketen. Der Raketenwissenschaftler arbeitete mehr als 20 Jahre für das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk. Nach der Landung sagte Königsmann: „Die Erde und die Atmosphäre zu sehen ist fantastisch, aber der schwarze Hintergrund ist intensiver als ich dachte.“
Die komplett automatisierte Trägerrakete des Typs New Shepard war um 8.15 Uhr Ortszeit vom Weltraumbahnhof Van Horn im US-Bundesstaat Texas gestartet. Die Kapsel mit den sechs Insassen löste sich plangemäß von der Rakete und landete schon nach einigen Minuten mit Fallschirmen in der texanischen Wüste. Der Ausflug ist weitgehend automatisiert. Die sechs Teilnehmer erreichten eine Höhe von rund 100 Kilometern – und sogar eine kurze Phase der Schwerelosigkeit.
Es war bereits der 16. bemannte Trip für Bezos‘ Weltraum-Tourismus-Unternehmen und der erste solche All-Ausflug mit zwei Deutschen an Bord. Außer den beiden waren vier US-Unternehmer dabei. Allerdings stehen die Blue-Origin-Raketenflüge wegen ihres geringen wissenschaftlichen Nutzens, der Auswirkung auf Umwelt und Klima sowie des elitären Charakters in der Kritik. Blue Origin bietet bereits seit mehreren Jahren Ausflüge an Bord der New Shepard ins All für Touristen an. Schon mehr als 80 Menschen nutzten das Angebot, darunter vor Kurzem die Sängerin Katy Perry. Wie viel so ein Kurztrip kostet, ist nicht bekannt.MM