Wenn das alles so war, wie man sagt, dann waren Maria und Josef heute vor 2025 Jahren in diesen Minuten auf der berühmten Herbergssuche oder kurz davor. Vielleicht waren sie genau jetzt am Ortsrand von Bethlehem, sozusagen im Bethlehemer Emmering, Pullach oder Vaterstetten: Sie wussten, dass sie bald da sind, aber ein Tagesmarsch war es noch, denn eine B471 oder einen Mittleren Ring oder gar eine Stammstrecke hatten sie nicht, sondern nur den einen Esel. Und ach so: Sie hatten nicht irgendein Baby auf die Welt zu bringen, sondern immerhin das Jesuskind.
Kurzum, Maria und Josef waren objektiv ziemlich im Stress vor 2025 Jahren. Und trotzdem schauen der Gipsjosef und die Gipsmaria bei uns in der Krippe so, als hätten sie einen Spaziergang gemacht und keine Strapazen durchlitten.
Und ich? Fühle mich schon gestresst, weil ich beim Metzger noch die genaue Zahl an Wienern und Weißwürsten durchgeben muss, die am ersten Weihnachtstag gegessen werden: Aktueller Zwischenstand sind 17 Weißwürste und 13 Wiener. Die einen bringen Jesus auf die Welt, die anderen denken an Würschtl!?
Um mein schlechtes Gewissen gegenüber Maria, Josef und dem Jesuskind etwas zu mindern, halte ich zum Ausgleich immerhin das Christkind als wundersame Geschenkeüberbringerin hoch. Meine Kinder sind da sogar noch strenger als ich, also was die Frage angeht, ob das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke bringt.
Für meine Kinder gibt es da nämlich keine Zweifel, weil es einfach keine Zweifel gibt: Als ich sie am Wochenende fragte, wie man beweisen könne, dass es das Christkind gibt, sagte mein Sohn: „Das Christkind muss es ja geben, weil den Weihnachtsmann gibt es ja nicht und einer muss ja die Geschenke bringen und den Christbaum anzünden, beziehungsweise die Kerzen darauf.“
Wenn man sich die Faktenlage anschaut, kann man auch zu kaum einem anderen Schluss kommen: Tatsächlich ist es ja wirklich klarer Fakt, dass wir an Heiligabend ins Wohnzimmer kommen und die Kerzen am Baum brennen, obwohl wir gar nicht im Raum waren.
Und waren nicht wirklich die Wunschzettel weg, als die Kinder sie am 1. Dezember aufs Fensterbrett gelegt hatten? Sicher, es gab diese Merkwürdigkeit, dass einige Tage später der so schön verzierte Umschlag in der Küche gefunden wurde, aber auch das ließ sich ja erklären: Das Christkind nimmt nur die Zettel mit, den Umschlag nicht, das weiß man doch.
Und dann gibt es noch die ganzen unsichtbaren Argumente fürs Christkind. Zum Beispiel, wenn es die viel zu konkreten Wünsche inklusive Artikelnummer und Online-Shop einfach ignoriert und etwas wirklich Wichtiges bringt.
Oder an dem Abend vor ein paar Tagen, als wir in der Küche saßen, vor uns zwei leere Blätter, auf die wir alle Aufgaben und alle noch zu erledigenden Dinge aufschreiben wollten: Da wars doch ganz bestimmt, das Christkind, das uns die Idee einflüsterte, doch einfach mal aufzuschreiben, was alles gut ist und welche Wunder wir im Alltag doch so hinkriegen. Und plötzlich fühlten wir uns viel weihnachtlicher, obwohl wir nichts erledigt hatten, was wir für Weihnachten noch zu erledigen hatten.
Weihnachten ist jedenfalls die Zeit, Wunder wahrzunehmen oder mindestens das Gute in unserem Alltag, das es gibt und für das man sich manchmal anstrengen muss, es wahrzunehmen. Das Christkind kommt dahin, wo es Platz bekommt, so war es schon damals in Bethlehem und so ist es auch heute noch in Emmering, Pullach, Vaterstetten oder sonstwo oder direkt bei uns und bei Ihnen daheim.
Frohe und gesegnete Weihnachten!