Heiligabend im Nobelhotel

von Redaktion

Bayerischer Hof: Engel auf zwei Beinen sorgen für besondere Stimmung

Das Luxushotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz.

Chef-Concierge Tobias Lindner besorgt Geschenke.

Innegrit Volkhardt, Hotelinhaberin.

Restaurantleiter Gernot Pichler bewirtet an Heiligabend vor allem Stammgäste. © O. Bodmer (4)

Schon bei der Anfahrt präsentiert sich das Haus mit 337 Zimmern im festlichen Lichterglanz. Wer durch die Drehtür die Lobby betritt, sieht sich in einer völlig neuen Welt. Denn erst vor zwei Tagen wurde nach monatelangem Umbau das neue Entrée nach den Plänen des belgischen Künstlers und Interior-Designers Axel Vervoordt (78) fertiggestellt – weltoffen, voller Harmonie. Von ihm ließen sich auch schon Robert De Niro und Kim Kardashian ihre Domizile planen – im Stil von „quiet luxury“, „stiller Luxus“, wie man das heute nennt. Hotelinhaberin Innegrit Volkhardt (60) setzt seit Jahren auf Vervoordt. Für die Renovierung der Lobby hat sie vier Millionen Euro investiert – ihr Weihnachtsgeschenk an die Gäste.

Heute werden viele Altbekannte da sein, Verwandte von Münchner Familien, die jedes Jahr anreisen. Stammgäste, die Weihnachten lieber im Hotel in vertrauter Umgebung feiern als daheim. Nicht unbedingt Menschen, die zum Reisen gezwungen sind, wie die Heilige Familie. 50 Prozent der Zimmer werden belegt sein (ab 400 Euro), und das Haus wird nichts zu wünschen übrig lassen.

Dafür sorgt schon Chef-Concierge Tobias Lindner (42), seit 13 Jahren im Haus, an Heiligabend immer selbst zur Stelle. „Mein liebster Tag, an dem so eine ganz spezielle Atmosphäre herrscht“, versucht er den Geist der Weihnacht im Hotel zu beschreiben. „Da ist Vorfreude, die Menschen sind aufgeregt, manche hektisch, weil sie noch letzte Besorgungen machen müssen, und wenn es draußen dunkel wird, wird es plötzlich ganz still. Kein Telefon klingelt mehr, alles wird friedlich.“ Schon allein deshalb, weil Lindner kein Ansinnen aus der Fassung bringen kann, nicht einmal die von einem Gast vergessenen Schildkröten.

Er hat es sogar geschafft, dass er an Heiligabend, nach Geschäftsschluss, ein liegengebliebenes Paket aus einer Postfiliale befreien konnte und die nicht zugestellte Luxustasche ihre überglückliche Besitzerin fand. Überhaupt – all die Last-Minute-Paniken, meistens der Männer: Geschenk vergessen, Konzerttickets nicht gebucht. Spätestens jetzt kommt Lindner ins Spiel. Mit seinem allumfassenden Netzwerk samt Telefonnummern, das keinen Ladenschluss, kein „ausgebucht“ oder „ausreserviert“ kennt. „Es gibt viele Weihnachtsengel, die zu helfen bereit sind. Und wenn es nicht der eine ist, dann telefoniert man sich von einem zum anderen.“ Und wenn dann heute endlich alles getan ist, fährt Lindner heim zu Ehefrau Vanessa, die auch in der Hotellerie groß geworden ist und Arbeit an Festtagen duldet. Vor allem, wenn der eigene Mann ein Engel ist.

Ein Engel auf zwei Beinen ist auch Restaurantleiter Gernot Pichler (53), seit 26 Jahren im Haus, gelernter Koch und Kellner aus Kärnten, der seine Frau Rita 1997 auf dem Schiff kennengelernt hat, wo sie beide gearbeitet haben. Irgendwann wollte die Münchnerin wieder heim an die Isar und nahm ihren Gernot einfach mit. Seither bewirtet Pichler an Heiligabend die Gäste im Garden Restaurant. Viele davon Münchner und Stammgäste. „Die Leute sind froh, dass sie Weihnachten genießen können, bedient werden und dann aufstehen und zur Christmette hinübergehen können“, sagt Pichler. „Die Gäste sind an diesem Tag zufriedener, glücklicher. Der Stress ist abgefallen.“ Manche stimmt das so heiter, dass sie nebst dem Trinkgeld dem Serviceteam sogar Geschenke mitbringen – Pralinen, Wein, kleine Aufmerksamkeiten. Man kennt sich. Über Jahre.

Deshalb gibt es für die Hotelchefin und Inhaberin an diesem einen Tag im Jahr keine wirkliche Dringlichkeit, vor Ort zu sein – Innegrit Volkhardt kann getrost am Starnberger See bleiben, ihre Esel füttern und das Fest vorbereiten. Sie wird mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Mutter Erika (90) Weihnachten verbringen. Ihr – einem ehemaligen Model – und ihrem Vater Falk (†75, 2001) hat Innegrit Volkhardt alles zu verdanken. Vor allem auch das Prinzip, souverän den eigenen Stil zu leben; keinem Trend um jeden Preis nachzulaufen, sich Freiheit ohne Schulden zu bewahren und so die erste Adresse der Stadt zu sein. Auch an Heiligabend. ULRIKE SCHMIDT

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