MÜNCHNER FREIHEIT

Bräuche und Wünschenswertes

von Redaktion

Keinen Vorsatz. Keinen einzigen nehme ich mir. Ich fange morgen gar nichts vorsätzlich an. Das fühlt sich nämlich nach krimineller Energie an. Die Rechtsprechung definiert ihn, den Vorsatz, im Strafrecht als Willen zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände. Da lasse ich lieber die Finger davon. Ich halte es mehr mit Bräuchen aus aller Welt. Ob sie Glück bringen oder nicht, das werde ich sehen. Aber jeder einzelne Brauch für sich gefällt mir. Mit einem habe ich schon in der Nacht des ersten Weihnachtsfeiertages angefangen. Ich habe den ersten meiner dreizehn Wünsche an die Rauhnächte verbrannt. Das ist ein schönes Ritual, ich stehe meistens zwischen elf und zwölf Uhr nachts auf dem Balkon. Draußen ist es still. Ich zünde den Zettel an und lasse ihn in meinem feuerfesten Töpfchen verbrennen. Dabei halte ich diesen ein bisschen über die Brüstung, dass es der Wunsch auch ja ins Universum hinaufschafft.

Heute Nacht lasse ich keine Wäsche auf der Leine hängen. Will ich doch nicht, dass sich die bösen Geister darin verfangen und fortan bei uns im Haus ihr Unwesen treiben. Mein Mann und ich werden zu den zwölf Schlägen um Mitternacht jeweils eine Weintraube essen. Ich habe die ganz kleinen, kernlosen – wollen wir doch nicht in der ersten Minute des neuen Jahres einem Erstickungsanfall erliegen. Jede Traube bringt für einen Monat im nächsten Jahr Glück.

Auch Linsensuppe gibt es heute Abend – Johannas Zubereitung liebe ich ganz besonders – diese ist für Geldsegen zuständig. In Verbindung mit Sauerkraut am Neujahrstag wird man keine leeren Taschen haben. Das hoffe ich sehr, weil ich mit Sicherheit mit dieser Kombination einen leeren Magen haben werde und das neue Jahr in aller Ruhe an einem sehr stillen Ort begrüße.

Wie dem auch sei – rund um die Welt wird das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr gebührend willkommen geheißen. Dass dabei kuriose Silvesterbräuche einen großen Stellenwert einnehmen, ist kein Wunder – schließlich wünschen wir uns und unseren Lieben doch ganz viel Gesundheit, Erfolg und Glück. Und deshalb lässt man fast nichts unversucht, um dem ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, oder?

Zu den alten Bräuchen habe ich auch ein paar Wünsche im neuen Jahr: Mehr Miteinander. Bisserl mehr zuhören und miteinander reden. Andere Meinungen anhören, auch wenn man der nicht zustimmt. Hin und wieder Rücksicht nehmen, achtsam sein. Mal „Danke“ sagen, ein Wort, welches uns nicht weh-, aber anderen vielleicht sehr guttut. Generell eine optimistischere Grundhaltung. Auch mal positive Bewertungen schreiben, nicht nur vernichtende Kommentare, und auch einfach mal „leben und leben lassen“. Daran arbeite ich auch, und dann wird’s für uns hier bestimmt ein wunderschönes, friedliches, hoffentlich durchgehend gesundes und zufriedenes neues Jahr!

Und jetzt zum Schluss möchte ich mich auf das Herzlichste bei Ihnen bedanken, dass Sie meine Kolumnen so zahlreich gelesen haben und mir auf verschiedensten Wegen so nette Rückmeldungen zukommen lassen haben. Danke!

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