Der Deutsche Alpenverein (DAV) will aus Klimaschutzgründen weniger Komfort auf seinen Hütten. Wer den Berg liebt, sollte sich in Zukunft einschränken. Vor allem beim Wasserverbrauch. Mein Kopfkino lief bei dieser Meldung sofort. Künftig also wieder mehr Strohsack statt Kuscheldecke und eher Plumpsklo statt Wasserspülung. Weg vom Zweibettzimmer, zurück zum Matratzenlager, mit nicht nur schnarchenden, sondern mangels Duschen auch stark müffelnden Menschen neben sich. Gegessen wird nur noch, was auf dem Herd steht. Nix mehr Speisekarte und Drei-Gänge-Menü. Wer auf Komfort nicht verzichten kann, werde sich andere Möglichkeiten suchen, so der DAV-Sprecher. Getreu dem Motto: Wenn’s recht greislich ist da oben, will dort keiner mehr hin. Was gut für die Alpen und das Klima wäre, wobei die meisten Emissionen bei der Anreise mit dem Auto entstehen.
Bei den Jägern würde man das Vergrämung nennen, was der DAV da im Sinn hat. Ich frage mich allerdings, ob diese Rechnung wirklich so aufgeht. Schließlich erleben wir ja immer wieder, wie unberechenbar die Menschen sind. Erinnern Sie sich noch: Da stellte 2025 ein Südtiroler Bauer ein Drehkreuz mit Kassenautomat an einem der meistfotografierten Wanderwege der Dolomiten auf und verlangte fünf Euro Eintritt für die Nutzung seines Grunds. Seine Hoffnung: Dann will da keiner mehr durch. Am Ende erwies sich die Bezahlschranke sogar als neue Sehenswürdigkeit, die mehr Leute anzog als abschreckte. Beim Alpenverein könnte das Zurück-zur-Einfachheit auch als attraktives Aussteiger-Angebot vom üblichen Konsum gesehen werden. Schatzi, leisten wir uns doch ein Wochenende der Reduktion, nehmen wir eine Auszeit vom hektischen Alltag und miefen ein paar Tage vor uns hin. Wie herrlich! Hoffentlich hängt dann nicht bald eine klimaschädliche Stinkewolke über der herrlichen Bergkulisse.
Um seinen Klimaschutz effektiver zu gestalten, sollte sich der Alpenverein lieber mit der Bahn zusammenschließen. Die hätte noch andere Taktiken im Repertoire. Zum Beispiel eine solche Verspätung, dass sich ein mehrstündiger Aufstieg zu den Hütten gar nicht mehr lohnt, man im Tal gemütlich einkehrt und dann wieder nach Hause fährt. Oder sie leitet die Wanderer gleich komplett um. Wie vor Heiligabend, als die Fahrgäste statt in Bayrischzell am Isarhochufer in Höllriegelskreuth landeten. Der Alpenverein könnte dann an ausgewählten Endhaltestellen ein paar Gipfelkreuzdoubles à la Zugspitze samt Panoramawänden mit Fake-Aussichten aufstellen. Dazu gibt’s für jeden, der nicht zu einer Schutzhütte hochsteigt, ein Freibier auf der nächsten Wiesn in einer der dortigen „Almen“. Spätestens mit solch einem Angebot sollte es doch wohl klappen mit der Taktik zur Rettung der Berge.
Aber nicht auf dem Erfolg ausruhen! Sondern stets aktuelle Selfie-Hotspots nachrüsten und ab und zu auch mal die Bildwände mit anderen Wettersituationen und Naturveränderungen auswechseln. Damit es authentisch bleibt. Sie wissen schon, was ich meine. Schließlich will ja jeder sein „individuelles“ Foto knipsen. Und wenn es an diesen Alternativ-Gipfeln auch noch ausreichend Parkplätze gäbe, dann könnten sich vielleicht ja auch ein paar alpine Auto-Ausflügler dorthin verirren. Und die echten Alpen in Ruhe lassen.