Alleinsein ist schwer

von Redaktion

Senta Berger spricht über das Älterwerden und den Tod des Mannes

Familie: Senta Berger mit ihrem verstorbenen Mann Dr. Michael Verhoeven und ihren Söhnen Luca (li.) und Simon (re.).

Tolles Team: Senta Berger mit Sohn Simon Verhoeven. © Kneffel/dpa, Rollitz/Schneider-Press

Er fehlt. Jeden Tag. Am 22. April 2024 starb Regisseur Michael Verhoeven († 85), der Mann von Senta Berger (84), und der Vater ihrer beiden Söhne Luca (47) und Simon (53). Seitdem lebt sie alleine in ihrem Haus in Grünwald.

Wie schwer es für die Schauspielerin ist, den Tod ihrer Lebensliebe zu verkraften und selbst älter zu werden, hat Berger jetzt in einem Doppelinterview mit ihrem Sohn Simon Verhoeven im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ erzählt.

„Ich werde ja zum ersten Mal alt. Das ist schwer, das muss ich ja lernen.“ Bis zum 70. Lebensjahr habe man sein Leben irgendwie in der Hand und könne damit umgehen. „Dann passiert irgendetwas. So ganz langsam erst einmal, das habe ich gar nicht gespürt. Und jetzt, wo mein Mann nicht mehr lebt, bin ich alt. Das weiß ich. Ich bin alt geworden, und jetzt lerne ich es.“ Seit 1966 waren Senta Berger und Michael Verhoeven verheiratet. Auch das Alleinsein müsse sie erst lernen, bekannte Berger.

„Das ist sehr schwer, denn wir sind ja zusammengekommen, als ich gerade mal 21 Jahre alt war. Und jetzt lerne ich das Alleinsein und darf dabei meine Kinder nicht zu sehr belasten. Aber ich tue es natürlich, klar. Weil sie wissen, dass ich alt werde. Sie hören es, sie sehen es. Und sie kümmern sich sehr um mich.“ Ihr Sohn, Regisseur Simon Verhoeven, nimmt die Hand seiner Mutter und fügt hinzu: „Wir drei versuchen, uns auszutauschen über diese seltsame Situation, dass mein Vater plötzlich nicht mehr da ist. Es herrscht ja immer noch so eine Art Fassungslosigkeit bei uns, dass das Realität sein soll.“ Sie vermissten etwas, das sie sich gegenseitig nicht so geben könnten. Das Haus seiner Mutter sei dasselbe geblieben, nur viel leerer. Berger ergänzte, wenn sie nach Hause komme, sei das zwar schön. „Es ist nur nicht schön, dass ich nach Hause komme und es ist leer. Und keiner fragt, wie war es?“

Am 29. Januar kommt Simon Verhoevens neuer Film „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ins Kino – mit Senta Berger in einer Hauptrolle. Der Verfilmung zugrunde liegt der Roman des Schauspielers Joachim Meyerhoff. Darin beschreibt dieser seine Zeit auf der Schauspielschule in München, während der er bei seinen Großeltern wohnte.

Seine Großmutter Inge Birkmann war selbst eine bekannte Schauspielerin, die nun von Berger dargestellt wird. Die Rolle wollte sie zuerst nicht spielen. „Weil ich Sorge hatte, dass ich mir diese Figur nicht zu eigen machen kann. Es geht da ja um eine reale Person, die Schauspielerin Inge Birkmann. Und über die hatte ich in der Familie Verhoeven schon so viel gehört. Lis Verhoeven, meine Schwägerin, war eine ihrer Schülerinnen gewesen. Inge Birkmann war streng, rücksichtslos, offen, spontan. Lis sagte, sie sei aus jeder ihrer Stunden weinend hinausgegangen. Das machte mir ein bisschen Angst vor der Figur.“

Als Simon Verhoeven seiner Mutter die Rolle angeboten hatte, sei er sehr vorsichtig gewesen. „Ich würde ihr niemals etwas anbieten, wenn ich das Gefühl hätte, es würde nicht hundertprozentig passen. Wenn ich nicht ihr Sohn wäre, hätte ich sie mir für den Film trotzdem gewünscht.“ Verhoeven gibt aber auch zu: „Wir sind privat auch relativ stur, hitzköpfig und können oft und gerne streiten. Mein Vater war immer der Mediator, der elegant aufgelöst hat, wenn wir uns mal wieder verhakt hatten. Da konnte es um alles gehen, Politik, Film, Kultur, Erziehung. Aber das kommt aus der Liebe zueinander.“TERESA WINTER

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