Sternsingerinnen am Neujahrstag auf dem Petersplatz in Rom. © Vatican Media
Die Sternsinger bringen an Heiligdreikönig den Segen und sammeln für Kinder in Not. © dpa/T. Warnack
Um die Heiligen Drei Könige, die der biblischen Geschichte nach dem Stern nach Bethlehem folgten, um Jesus zu huldigen, ranken sich viele Mythen. Die genaue Herkunft und die Route der Weisen ist unklar, auch deren Anzahl nennt die Bibel nicht. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar wurden erst später verwendet.
Umso klarer ist die Idee der Sternsinger heute: Die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder verbindet Völker und schlägt Brücken zwischen Religionen.
Die Sternsinger-Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück; die moderne bundesweite Aktion wurde jedoch erst 1959 vom Kindermissionswerk wiederbelebt. Seither bringen rund um den 6. Januar mittlerweile 300 000 Sternsinger Gottes Segen in die Häuser und Wohnungen – und sammeln Spenden für Kinder in Not. Bundesweit kamen 2024/25 rund 48 Millionen Euro zusammen. Heuer wird mit dem Motto „Schule statt Fabrik, Sternsingen gegen Kinderarbeit“ der Blick nach Bangladesch gerichtet, wo sich Sternsinger-Partnerorganisationen dafür einsetzen, Kinder aus Arbeitsverhältnissen zu befreien und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen.
Im Erzbistum München-Freising sind heuer rund 500 Gruppen aus Pfarreien und Pfarrverbänden unterwegs. Auch der Pfarrverband St. Thomas und St. Lorenz im Münchner Osten ist mit dabei. „Es ist einfach eine geniale Aktion, die alles abdeckt: Sie bringt den Segen zu den Menschen, sie hat einen lebendigen Gottesdienst, sie tut Gutes für Arme und zeigt den Glauben in der Öffentlichkeit“, sagt Pfarrer Willi Huber. 32 Kinder und Jugendliche werden an Heiligdreikönig Bewohnern so auch in Oberföhring und Johanneskirchen in königlichen Gewändern und mit Weihrauch, Gedichten und Liedern im Gepäck Gottes Segen bringen: „20 C+M+B 26“ schreiben die Sternsinger im Jahr 2026 über die Haustüren. Die Buchstabenfolge geht auf das Lateinische „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) zurück.
Die Organisation und Durchführung des Brauchs erfolgt dezentral über die Kirchengemeinden. In dicht besiedelten Ballungsräumen sei es üblich, dass Sternsinger-Gruppen vornehmlich nach Voranmeldung in die Häuser und Wohnungen kommen, sagt Florian Hörlein, Landesvorsitzender des Bundes der deutschen katholischen Jugend. Das habe aber rein praktische Gründe, um die Besuche zeitlich zu bewältigen.
So läuft es auch in vielen Münchner Pfarreien. Schon jetzt verzeichnet der Pfarrverband St. Thomas und St. Lorenz über 80 Anmeldungen von Bürgern, die besucht werden wollen. „Zu denen kommen die Sternsinger dann sicher“, sagt Pfarrer Huber. Aber natürlich klingeln die Segensbringer auch spontan. Herzergreifend: „Wenn jemand einsam und zurückgezogen lebt, kullert auch schon mal eine Träne – das ist dann ein doppelter Segen.“
Der biblische Bezug der Sternsinger liegt im Matthäus-Evangelium, das von „weisen Männern aus dem Morgenland“ berichtet, die einem Stern folgten, um den neugeborenen Jesus zu finden und ihm Geschenke zu bringen. Für Pfarrer Huber die Leitidee dieses Tages: „Im Matthäus-Evangelium sind die Weisen von weit her die ersten an der Krippe. Das deutet darauf hin, dass es eine Offenheit für Gott weit über das Volk Israel hinausgab. Diese Offenheit ist vielleicht der schönste Gedanke an der Sternsingeraktion – dass wir zu allen gehen, unabhängig von Religion oder Herkunft.“ DANIELA POHL