Die Gaststätte „LaOla“ an der Bezirkssportanlage in Ramersdorf ist seit 2017 unter der Regie der Familie Gök.
Verkauft zu wenig Bier: Wirt Burak Gök wurde der Pachtvertrag von der Brauerei gekündigt – auch wegen angeblicher Kritik von den Gästen. © Marcus Schlaf (2)
Für die Familie Gök geht das neue Jahr alles andere als gut los: Die Paulaner-Brauerei hat dem Wirt der Gaststätte LaOla auf der städtischen Bezirkssportanlage an der Görzer Straße in Ramersdorf gekündigt. „Völlig überraschend, aus meiner Sicht völlig grundlos“, so Burak Gök. Auf mehrmalige Nachfrage sei ihm erklärt worden, dass sein Bierumsatz zu gering sei. Statt der vertraglichen 60 Hektoliter im Jahr verkauft Gök in der Sportgaststätte nur rund die Hälfte. Für den fehlenden Rest habe er immer pünktlich die Strafzahlung geleistet – zusätzlich zu Pacht und der Umsatzbeteiligung von etwa 150 000 Euro im Jahr, erklärt Gök.
2017 hat Gök die Gastronomie übernommen. Insgesamt sind vier Familienmitglieder hier beschäftigt. In den vergangenen Jahren habe man rund 120 000 Euro in Eigenregie in die Wirtschaft investiert. Trotz Hochzeiten und Geburtstagen im „LaOla“ sei der geforderte Bierumsatz nicht zu erfüllen. Bei 200 Öffnungstagen im Jahr müssten pro Abend 40 Halbe über die Theke gehen. Doch: „Der Bierumsatz ist deutlich zurückgegangen – überall in Deutschland.“ Die Sportler, darunter viele Kinder und Jugendliche, würden mehr Wasser und Spezi trinken. Die Abnahmemenge mit alkoholfreien Getränken auszugleichen, schaffe er nicht. „Denn ich müsste davon laut Vertrag die vierfache Menge umsetzen.“ Also rund 120 Hektoliter.
Die Kündigung habe ihn auch „emotional sehr getroffen“, bekennt Burak Gök. Eigentlich sollte er bereits zum Jahresende raus, die Brauerei hat ihm noch mal zusätzliche Monate eingeräumt. Nun versucht Gök alles, um bleiben zu können. Eine entsprechende Online-Petition hat bereits 700 Unterstützer, die das LaOla als zentralen Bestandteil des täglichen Vereinslebens beschreiben.
Der Wirt ist gleichzeitig Vorsitzender des MSV Bajuwaren, dem Hauptverein auf der Sportanlage. Außerdem sind hier noch Mannschaften von Alemannia München, SV Schlösselgarten, Centro Argentino und den Munich Cowboys zu Hause. Der 48-Jährige war selbst mal aktiver Fußballer und hat für den FC Bayern und die SpVgg Unterhaching sowie die türkische SüperLig gespielt. In Ramersdorf ist er daher mit Herz und Blut dabei. Die fristgerechte Kündigung habe „nichts mit einem festgelegten Bierumsatz zu tun“, erklärt die Paulaner-Brauerei auf Nachfrage. Es würden bei so einer Entscheidung immer mehrere Komponenten eine Rolle spielen – unter anderem die Resonanz bei den Gästen. „Uns erreichen bereits positive Rückmeldungen aus Vereinen der Bezirkssportanlage und von Anwohnern, die sich auf einen neuen Gastgeber im LaOla freuen.“
Von Beschwerden wisse er nichts, sagt Burak Gök. Im Gegenteil: Einige Vereine haben Unterschriften für ihn gesammelt und sollen Paulaner einen Boykott der Gaststätte angekündigt haben, sollte Gök nicht bleiben können. „Ich hätte zumindest erwartet, dass man mir bei Beschwerden die Chance gibt, vermeintliche Missstände zu klären oder abzustellen.“
Die Stadt will sich nicht einmischen. Es handle sich um eine öffentliche Gaststätte, die an eine Brauerei verpachtet ist, erklärt das Kommunalreferat. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und Brauerei enthalte die üblichen Regelungen zu Vertragszweck, Laufzeit, Pachthöhe, ergänzt das Sportreferat. Die Stadt nimmt laut Kommunalreferat aber im Nachgang keinen Einfluss auf vertragliche Regelungen zwischen Brauerei und Gaststätte, solange kein Verstoß gegen Regelungen aus dem eigentlichen Pachtverhältnis zwischen der Stadt und der Brauerei bekannt sei.CARMEN ICK-DIETL