Ich wollte nie die Mutter sein, die ihrem Kind auf dem Spielplatz hinterherläuft und dabei so laut „NEIN!“ schreit, dass selbst fremde Hunde Sitz machen. Ich wollte auch nicht die Mutter sein, die abends um 21.12 Uhr panisch WhatsApp-Gruppen durchscrollt, um rauszufinden, ob morgen Turnbeutel- oder Waldtag ist. (Es ist natürlich beides.)
In meiner Vorstellung war ich locker. So eine Latte-Macchiato-Mutter mit Leinenhose, Kind auf Hüfte, und einem tiefen inneren Zen. In der Realität bin ich die Frau, die mit nassem Waschlappen bewaffnet durchs Wohnzimmer sprintet, weil jemand „aus Versehen“ Schokopudding auf die Wand gepustet hat. Ich wollte nie so werden.
Ich wollte nicht die sein, die mal fünf Minuten alleine atmen will – auf dem Klo, mit Tür zu – und trotzdem klopft jemand an und fragt, ob Chips ein gesundes Abendessen sind. (Sind sie. Und mit Ketchup gelten sie sogar als warme Mahlzeit.) Ich wollte auch nicht zu der Mutter werden, die Dinge sagt wie: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst …“, obwohl ich den Satz früher mit einer Mischung aus Augenrollen und Fluchtreflex abgespeichert hatte. Und trotzdem bin ich genau das geworden. Mit Stil, wohlgemerkt. Und einem gewissen Maß an Resignation, das ich inzwischen „innere Reife“ nenne.
Ich bin nicht die Mutter, die ich sein wollte. Ich bin die Mutter, die morgens den Überblick verliert, mittags diskutiert und abends heimlich Schokolade isst, weil sie keine Lust auf geteilte Portionen hat. Aber ich bin auch die Mutter, die ihre Kinder wirklich kennt. Die ihre schlechten Tage nicht versteckt, sondern erklärt. Die nicht perfekt ist – sondern ziemlich lebendig.
Vielleicht ist das die Pointe: Ich wollte nie so werden. Jetzt bin ich es. Und irgendwie – ist es gar nicht mal so schlecht.