Iliana Schay hofft, bald wieder in ihre Heimat nach Venezuela reisen zu können.
Geschockt nach dem Angriff: Isabela Silva Rodriguez.
Die Festnahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch US-Kräfte – sie sorgt weltweit für Diskussionen. So mancher aus dem südamerikanischen Land atmet auf, dass der Diktator nicht mehr an der Macht ist. Wie Isabela Silva Rodriguez (28). Sie wurde in Venezuela geboren, wuchs in La Victoria nahe der Hauptstadt Caracas auf und lebt seit 2016 in München. Sie arbeitet im Lokal Hallo Arepasin Haidhausen.
„Es ist dort sehr gefährlich“, sagt Isabela über ihre Heimatstadt. Gewalt, organisierte Kriminalität und ständige Angst bestimmten den Alltag. Besonders präsent sei die international gefürchtete Organisation Tren de Aragua. Als sie vom US-Angriff hörte, stand sie unter Schock. „Ein Freund schrieb mir: Caracas ist gerade bombardiert worden. In dem Moment denkst du: Endlich – und kannst es nicht glauben.“
Aber es überwiege das Gefühl der Hoffnung. „Wir haben geschrien nach internationaler Hilfe. Wir freuen uns, dass Maduro in Haft ist.“ Gleichzeitig bleibe die Angst, dass sich nichts ändert. „Venezuela ist noch nicht frei“, betont die Venezolanerin. Trotzdem ist Maduros Festnahme für sie erstmals seit Langem ein Hoffnungsschimmer.
Auch Victor Guarata bestätigt, dass unter Venezolanern im In- und Ausland überwiegend Freude über die Festnahme Maduros herrscht. Der 64-Jährige kommt aus dem Landesinneren. 1983 kam er mit einem Stipendium nach München und blieb. Die politische Lage in Venezuela verfolgt der gelernte Ingenieur jeden Tag, viele seiner Verwandten leben noch dort.
Den Entmachteten bezeichnet Guarata als Diktator. „Endlich ist er weg“. Die Freude unter seinen Landsleuten darüber sei groß. „Die Venezolaner, die im Ausland leben, haben die Freiheit, das auch zu sagen. In Venezuela müssen die Leute sehr aufpassen. Jede regierungskritische Aussage kann gegen sie verwendet werden“, so Guarata. Die Nachbarn seines Bruders in Caracas wurden verhaftet, nachdem sie öffentlich die Festnahme Maduros gefeiert hatten.
Guarata hofft auf die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado als Präsidentin. „Viele haben gehofft und geträumt, dass sobald Maduro weg ist, auch das Regime weg ist. Das ist leider noch nicht der Fall.“ Er ist aber sicher, dass ein demokratischer Wandel stattfinden wird. „Es ist nur eine Frage der Zeit“.
Iliana Schay hofft ebenfalls auf friedlichere Zeiten in Venezuela. Die 34-Jährige will endlich wieder in das Geburtsland ihrer Mutter reisen. Als Kind war sie oft bei ihrer Familie in Mérida, das letzte Mal 2005. Viele ihrer Verwandten sind mittlerweile ausgewandert, erzählt die Inhaberin der Prygoshin Bar. Sie teilt die Freude über Maduros Entmachtung: „Meine Familie hat gejubelt. Alle haben auf diesen Tag gewartet.“
Doch Schay sieht das Eingreifen der USA auch kritisch. „Man darf nicht vergessen, dass bei dem völkerrechtswidrigen Angriff dutzende Zivilisten gestorben sind.“ Zudem macht ihr Angst, was das Vorgehen Trumps für andere Länder bedeuten könnte. Die zweifache Mutter blickt mit Vorsicht auf die aktuelle Situation: „Der Präsident ist zwar weg, aber die Strukturen sind immer noch da.“ VALENTINA FUCHS, LEA SCHÜTZ