Spione am Viktualienmarkt

von Redaktion

Händler verärgert: Nach Winterzauber drohen Strafen wegen Sperrzeit

Susanne Hofmann vom Tölzer Kasladen auf dem Viktualienmarkt. © Markus Götzfried

Mit einer Tasse Glühwein und Freunden zwischen den Ständen am Viktualienmarkt stehen: Der Winterzauber hat vielen Münchnern die Weihnachtszeit verschönert. Jetzt haben mehrere Händler deswegen aber eine Menge Ärger. Denn die Märkte München (also die Stadt, die die Stände vermietet) führten während dieser Zeit Kontrollen durch. Einige Standl-Betreiber haben nun sogenannte Anhörungsschreiben erhalten. Ihnen drohen sogar Bußgelder – weil sie in einzelnen Fällen ihre Standl zu lang geöffnet hatten – so sieht es jedenfalls die Behörde.

Im Dezember traute Markt-Sprecher Marco Stohr seinen Augen nicht. „Eine Dame von den Märkten München hat mir ein Foto gezeigt, auf dem ich um 20.20 Uhr noch Tassen von Kunden annehme“, sagt er. Laut den Märkten hätten die Stände um 20 Uhr geschlossen sein müssen. Diese Regeln gab es aber laut Stohr bis jetzt noch nie. „Uns war das nicht bewusst. Ich bin davon ausgegangen, dass wir bis 20 Uhr ausschenken dürfen und dann zusammenpacken.“

Auch andere Händler bekamen Post mit angedrohtem Bußgeld. Zu ihnen gehört Susanne Hofmann vom Tölzer Kasladen. Bei einem Verstoß war der Laden bereits geschlossen. Hofmann hatte zusammen mit Kollegen eine kleine Weihnachtsfeier auf der Bank an ihrem Stand gemacht. „Wir wussten nicht, dass ab Ladenschluss niemand mehr vor Ort sein darf“, sagt sie. Jetzt soll sie ihr Einkommen angeben – auf dieser Grundlage könne ein Bußgeld berechnet werden. Hofmann ist seit über 40 Jahren am Markt. Sie sagt: „Das Leben und leben lassen, für das der Markt eigentlich einmal stand, gibt es nicht mehr.“

Die Märkte München bestätigen, dass Marktaufsicht und eine Security-Fima täglich die Lage überprüft hätten. Die Marktaufsicht habe die Händler auch „auf das nahende Veranstaltungsende“ hingewiesen. Die Behörde betont, dass bis jetzt nur Anhörungen stattgefunden hätten. Bußgelder seien noch nicht verhängt worden. Die sechs betroffenen Händler könnten sich bis zum 15. Januar äußern. „Ob dann weitere Schritte eingeleitet werden, ist derzeit noch nicht absehbar“, heißt es.

Der Marktsprecher versteht die Kontroll- und Brief-Aktion nicht, ärgert sich über fehlende Kulanz. Stohr: „Wir hätten also eine halbe Stunde eher den letzten Glühwein ausschenken müssen und dann um Punkt acht die Leute verscheuchen!“ Er schüttelt den Kopf.

Marco Stohr wird sich mit seinem Obststand nächstes Jahr nicht mehr am Winterzauber beteiligen. Susanne Hofmann ist sich noch nicht sicher. MARIE-THERES WANDINGER

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