Helau und Halleluja

von Redaktion

Kult-Pfarrer Rainer Maria Schießler hält narrische Predigt in St. Nazareth

Schießler ist Gastpfarrer in St. Nazareth.

Das Münchner Faschingsprinzenpaar Stephan I. und Samantha I. mit dem Jugendprinzenpaar Jonathan I. und Sara I.

Volles Haus in der Kirche St. Nazareth: Pfarrer Rainer Maria Schießler hielt seine Schunkelmesse vor mehr als 400 Faschingsbegeisterten. © Michaela Hartmann

So ein Fest hat St. Nazareth noch nicht gesehen: Hunderte Narren haben die evangelische Kirche in Bogenhausen gestern zum Beben gebracht. Unter großem Helau, mit Fahnenschmuck, Luftballons und Marschmusik zogen zahlreiche Prinzenpaare aus München und Oberbayern durch die heiligen Hallen, um der narrischen Predigt von Pfarrer Rainer Maria Schießler zu lauschen.

Der Geistliche hatte die Schunkelmesse mit der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla 2020 ins Leben gerufen, um den Münchner Fasching zu stärken. Für St. Nazareth war das sakrale Spektakel eine Premiere. Wie berichtet, gewährt die evangelische Gemeinde dem katholischen Pfarrer wegen Sanierung seiner Kirche St. Maximilian im Glockenbachviertel vorübergehend Asyl.

Hexen- und Narrentreiben in der Kirche? Bigband statt Orgelklänge? Für den Kult-Pfarrer ist das ausgelassene Feiern vor der Fastenzeit nichts Schlechtes – ganz im Gegenteil: „Fasching hängt ganz tief mit unserem Glauben, mit unserer Christusbotschaft zusammen“, sagte Schießler in der brechend vollen Kirche und zitierte „diese wunderbare Stelle aus der Apostelgeschichte, wo Petrus sagt: ,Jetzt weiß ich wahrlich: Gott sieht nicht auf die Person.‘“ Nicht das Äußere sei entscheidend. „Wichtig ist, was in uns ist. Darum verkleiden wir uns. Nur Menschen, die sich erlöst fühlen, können auch so feiern.“

Passend dazu: „Die Idee für die Schunkelmesse ist damals bei mir im Nachtlokal entstanden“, sagte Günther Grauer, ehemaliger Betreiber der legendären Schlagerbar „Roy“ und heute Ehrenpräsident der Narrhalla. Zufall? Göttliche Fügung? Grauer ist Messe jedenfalls heilig: „Wir brauchen solche Veranstaltungen, weil sie zeigen: Der Münchner Fasching lebt! Und er ist breit aufgestellt, dahinter steht ein großes Engagement, soziale Aktivitäten. Wir müssen neue Wege gehen – und das tun wir hier“, so der Netzwerker. Grauer hatte 2013 alle Faschingsvereine aus München und Oberbayern unter dem Motto „Fasching hat Herz“ zusammengebracht, um das Brauchtum zu erhalten und Traditionen fortzuführen.

Ganz neu ist der Brauch des Faschingsfestgottesdienstes aber nicht. Er sei aus dem Rheinland übernommen worden, erklärt Grauer. „In Köln ist es Tradition, dass vor Beginn der närrischen Tage tausende Kölner Jecken im Kölner Dom für eine friedliche Session beten.“ In München ist auch immer ein karitativer Gedanke dabei: Gestern wurden Spenden für ein Kinderhospiz gesammelt.

Gut 400 Narren und rund 25 Prinzenpaare waren gekommen, sogar „aus dem Ausland“, so Schießler augenzwinkernd: Als Vertreter der schwäbisch-alemannischen Fastnacht war die Narrenzunft Aulendorf angereist und präsentierte ihre handgeschnitzten Masken. Platzbedingt waren es weniger Besucher als normal, St. Maximilian ist größer. Der Stimmung tat die Enge keinen Abbruch. Man rutschte einfach zamm. Und als Narrhalla-Senator Klaus Ammann und sein Orchester „Chattanooga Choo Choo“ anstimmten, war die illustre Gesellschaft ganz beswingt. DANIELA POHL

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