DAS PASSIERT 2026

Von der Betonwüste zur grünen Oase

von Redaktion

Der Willy-Brandt-Platz vor den Riem Arcaden wird neu gestaltet

Nach der Neugestaltung sollen Wildstauden mit bis zu 75 verschiedenen von Frühjahr bis Herbst blühenden Pflanzen, Stauden, Gräsern und Kräutern wachsen, wo sich derzeit eine graue Betonwüste befindet – hier mit Blick auf den Portikus.

Ein grüner Park soll vor den Riem Arcaden entstehen. Derzeit präsentiert sich der Willy-Brandt-Platz, „als ob ein Betonlaster umgekippt und ausgelaufen wäre“, wie OB Dieter Reiter sagt. © Burger Landschaftsarchitekten (2), Schlaf (2), Kneffel/dpa

Seit Donnerstag läuft die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes vor dem Einkaufszentrum Riem Arcaden. Los ging es mit der Fällung von 50 Bäumen, danach verlegen die Stadtwerke die unterirdischen Leitungen. Für rund 19 Millionen Euro soll der Platz umgestaltet werden und mehr Aufenthaltsqualität in die Messestadt bringen.

Bislang herrscht steinerne Leere auf der Fläche, die mit rund 14 000 Quadratmetern doppelt so groß wie der Marienplatz ist und von drei großen Geschäftsgebäuden umrahmt ist. Die Architekten hatten sich den Platz vor 20 Jahren quasi als riesige Guckkasten-Bühne für die neue Mitte Riem vorgestellt. Der „Portikus“ genannte Stelzenbau sollte dem Platz seine räumliche Fassung geben. Vor Ort wurde diese Idee nie richtig verstanden, geschweige denn umgesetzt. Es gab kaum Nutzungen, die zu einer Belebung des Platzes beitrugen. Unter anderem wegen dem Wasser-Kunstwerk, das sich über fast den gesamten Platz zieht, sowie der Statik der darunterliegenden Arcaden-Tiefgarage. So aber konnte keine Akzeptanz der Platzgestaltung seitens der Bevölkerung erreicht werden. Schnell kam Kritik auf. Die städtebauliche Qualität wurde infrage gestellt und die Messestädter nannten ihn einfach „Platz der Leere.“

Aus grau und leer soll jetzt grün und lebendig werden. Auch auf ausdrücklichen Wunsch von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Für ihn ist dieser Platz „ein Quell reinen Ärgernisses seit über zehn Jahren“. Bereits im Wahlkampf 2019 hatte er versprochen, aus der Steinwüste einen Ort mit Bäumen, Grün und Sitzplätzen zu machen. „Jetzt sieht’s da eher so aus, als wäre ein Betonlaster umgekippt, und was ausgelaufen ist, wurde einfach großflächig verteilt.“

Nun sollen weite Teile des Platzes entsiegelt und naturnah gestaltet werden. In der Platzmitte soll ein „Wildstaudenmeer“ mit bis zu 75 verschiedenen von Frühjahr bis Herbst blühenden Pflanzen, Stauden, Gräsern und Kräutern angelegt werden – als Augenweide für die Menschen und Nahrungsquelle für Insekten. Entlang der querenden Wege bringen hohe Großsträucher Schatten, damit man sich auch abseits der höher frequentierten Bereiche an einer der zahlreichen Sitzgelegenheiten entspannt aufhalten kann. Der bestehende, nur bedingt barrierefreie Platzbelag aus Natursteinpflaster wird schonend entnommen, denn ein Großteil der Steine soll wiederverwendet werden.

Eine Art Wäldchen in einer Breite von circa 70 Metern soll den Platz von der Straße abschirmen. Teilbereiche werden mit insektenfreundlichen Stauden, Gräsern und Kräutern unterpflanzt. Dazu kommen wieder zahlreiche Sitzmöglichkeiten zum Verweilen. Insgesamt erhält der Platz knapp 100 neue Bäume.

Zwischen Wildstauden und Wald realisiert das Baureferat verschiedene Wünsche und Ideen, die von den Bürgern in einer Öffentlichkeitsbeteiligung eingebracht wurden. Neben Sportangeboten sind Urban Gardening, Loungezonen und zwei jeweils nach Norden und Süden ausgerichtete Aussichtsplattformen geplant. Im Anschluss an den U-Bahnzugang sollen auf mehr als 750 Quadratmetern rund 40 Wasserfontänen in die Höhe schießen. Bei Veranstaltungen und dem Wochenmarkt wird der Brunnen abgeschaltet. Parallel zu den Gebäuden werden weitere Bäume gepflanzt.

Die wesentlichen Bauarbeiten sollen 2027 abgeschlossen sein. Zur Finanzierung wurden der Stadt Mittel aus der bayerischen Städtebauförderung und Förderprogrammen des Bundes in Höhe von rund acht Millionen Euro in Aussicht gestellt. Durch seine Lage neben dem Haupteingang der Messe München ist der Willy-Brandt-Platz schließlich auch ein internationales Aushängeschild der Stadt.CARMEN ICK-DIETL

Artikel 1 von 11