Die Society-Lady feiert 75.

von Redaktion

Hausbesuch zum Geburtstag von Marianne Wille aus der Dallmayr-Dynastie

Marianne und Wolfgang Wille bei ihrer Hochzeit vor 55 Jahren (Foto links) – und verliebt wie immer auf dem Society-Parkett (Foto rechts). © Michaela Stache, marcus schlaf, heinz weißfuß

Die ganze Familie Wille – mit Töchtern, deren Partnern und den Enkeln. 17 müssen am Tisch Platz haben.

Die Freitreppe im Mittelpunkt des herrschaftlichen Hauses – Marianne Wille trägt die Geschichte und den Erbauer im Herzen.

Ein Society-Parkett ohne Marianne Wille? Undenkbar! Keine Opernpremiere, kein Kunstevent, kein Benefizabend, keine Geburtstagssause, bei der sie nicht die Gesellschaft mit ihrem herzlichen Lachen aus voller Kehle erfrischen würde. Als Mitglied der Dallmayr-Dynastie zählt ihre Familie zu den ersten Münchens, die das strahlende Image der Stadt pflegen.

Die Society-Lady erreicht fast jeden Tag eine Einladung, und seit die Kinder erwachsen sind, sagt sie gern zu. „Egal wo und wer – es gibt keine Begegnung, von der ich nicht etwas mit nach Hause nehmen würde, und wenn es nur die Adresse eines guten Physiotherapeuten ist“, begründet Marianne Wille lachend ihre Lust am Vergnügen. Am 15. Januar lädt sie selbst ein – anlässlich ihres 75. Geburtstages. Ladys only!

Unsere Zeitung hat sie im Vorfeld ihres Ehrentags zu Hause besucht – in einer der schönsten Villen nahe des Prinzregentenplatzes, die 1922 der Münchner Leinwandpionier und Mitbegründer der Filmateliers in Geiselgasteig, Isidor Fett (1874–1933), erbaut hatte und die nach etlichen Eigentümerwechseln 1991 zum Verkauf stand. Ein Glück für die Willes, die das heruntergewirtschaftete Anwesen aufwendig und mit viel Respekt vor seiner Geschichte instand setzen ließen und dafür den Fassadenpreis der Stadt München bekamen.

Hinter einer anderen berühmten Fassade in der Dienerstraße befindet sich das Unternehmen Dallmayr, das den beiden Inhaber-Familien Wille und Randlkofer gemeinsam gehört. Ein lukullisches Paradies, das vor 325 Jahren seinen Anfang nahm und heute mit Delikatessen, Kaffee, Tee und Kakao in alle Welt strahlt. Trotzdem hat Marianne Wille für den Besuch selbst gebacken, Apfel-Crumble, obwohl sie aus dem Vollen schöpfen könnte. „Ich mach alles selber!“, konstatiert sie am fein gedeckten Tisch in der Wohnküche. Und das, obwohl auch ihr Ehemann Wolfgang Wille (85) seit 55 Jahren meine, sie könne es sich doch wirklich viel leichter machen – mit Ordern aus dem Stammhaus.

Wolfgang Willes Vater, Konrad Werner Wille, baute ab 1933 die Kaffeeabteilung im Dallmayr auf und entwickelte u. a. mit Prodomo das führende Markenartikelgeschäft in Bayern, das dann der Sohn deutschland- und europaweit ausgebaut hat. Heute röstet Dallmayr etwa 80 000 Tonnen Bohnen pro Jahr.

Für die Firma sind die Willes in alle Ecken der Welt gereist – nach Afrika, Süd- und Zentralamerika oder Asien. Und in Äthiopien haben sie eine Schule gebaut und 60 Millionen Bäume pflanzen lassen, um der Entwaldung und dem Klimawandel entgegenzutreten, denn empfindliche Kaffeepflanzen benötigen stabile Temperaturen in Höhenlagen. Kaffee ist Familie Willes Leben!

Umso überraschender ist es, dass Marianne Wille selbst keinen Kaffee trinkt, da sie empfindlich auf Koffein reagiert. Dafür gibt’s Kräutertee in allen Varianten. Jetzt noch schnell Sahne frisch aufschlagen fürs Gebäck – und fertig ist das Kaffeekränzchen. „Ich bin so aufgewachsen – meine Mutter hat auch immer alles selbst gemacht. Es ehrt den Besuch und es bereichert das Familienleben.“ 17 Personen sitzen zu Festtagen am Tisch im Speisezimmer: die drei erwachsenen Töchter, die alle im Unternehmen mitarbeiten, deren Partner und die Enkelkinder.

Marianne Wille ist das Herz der Familie und die Liebesgeschichte mit ihrem Wolfgang filmreif. „Als ich meinen Mann kennengelernt habe, war ich 13“, fängt die Tochter eines Holzkaufmanns zu erzählen an. „Er war der Freund meines Bruders, die beiden haben BWL studiert, und als er ihn das erste Mal mit nach Hause brachte, habe ich mich sofort verliebt. Sofort!“ Trotz der elf Jahre Altersunterschied. Marianne hat alles ihrem Tagebuch anvertraut, so weiß sie noch heute genau, wie es um ihre Gefühle stand.

Doch als die Kommilitonen nach dem Studium ihrer Wege gingen, waren diese Begegnungen vorbei. Bis sechs Jahre später Mariannes Vater ihren Schwarm Wolfgang Wille zufällig im Parkhaus traf und sich mit ihm zur Weinprobe mit Kartenspiel verabredete. „Dann kam er zu uns nach Hause – ich war kurz vor 20 – und ein halbes Jahr später waren wir verheiratet!“

Ihr BWL-Studium hat Marianne Wille nur noch bis zum Vordiplom durchgezogen, dann kamen die Kinder. „Ich wollte für sie da sein. Wenn sie aus der Schule kamen, gab es ein Mittagessen und wir haben uns alles erzählt.“ Bei Hausmannskost für die Bodenhaftung.

Eine eigene Karriere stand da nie mehr zur Debatte. Doch Marianne Wille schaut zufrieden auf ihr Leben und hat nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben. „In jedem Leben gibt es Aufs und Abs, aber ich habe in Summe ein wahnsinnig glückliches gehabt“, strahlt sie. „Schon zu Hause bei meinen Eltern habe ich sehr viel Liebe und Optimismus erfahren, viele Menschen, viel Musik – ich war als junges Mädchen im Bayreuther Festspielhaus, habe mit 18 den Jagdschein gemacht, und mit Wolfgang ging dieses wunderbare Leben weiter.“ Zwei-, dreimal im Monat geht sie noch im eigenen Revier auf die Jagd, das Wild verarbeitet sie, so weit es geht, selbst.

Ob Jagdgenossenschaft, Metzgerinnung oder eine private Einladung in den allerhöchsten Kreisen: Marianne Wille macht keine Unterschiede. „Ich fühle mich überall wohl! Von klein auf habe ich durch den Holzhandel und die Spedition meines Vaters zu allen Schichten Kontakt gehabt.“ Man lebte in gutbürgerlichen Verhältnissen – es wurde Wert auf gepflegte Garderobe, Unterhaltung und Tischkultur gelegt. Stets trug die Mutter drei Gänge auf, es herrschten Struktur und Ordnung. Dafür ist Marianne Wille noch heute dankbar.

Deshalb kann sie auch selbst jedes gesellschaftliche Parkett bespielen – wird überall geherzt und gebusselt. „Ich komm‘ in einen Raum rein und denk mir: Die mag ich alle!“ Das wirkt. Vor allem: Sie ist interessiert. „Ich frage grundsätzlich erst einmal, welche Verbindung zum Gastgeber besteht – daraus ergibt sich sofort ein Gespräch.“ So wird man als Gast zur Bereicherung jeder Gesellschaft. Und auch zur Society-Queen!ULRIKE SCHMIDT

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