Mit seinem Kasperltheater war Ludwig Trollmann in der ganzen Stadt bekannt. © Michael Westermann
Ludwig Trollmann, der Ur-Münchner, war ein Mann mit vielen Talenten: ein begnadeter Handwerker, Geschichtenerzähler und Puppenspieler. Jedoch keiner, der im Vordergrund stand, sondern einer, der im Hintergrund seine Figuren lenkte – und damit Generationen von Kindern und Erwachsenen verzauberte. Nun ist das Münchner Original im Alter von 91 Jahren verstorben.
Mit seinem legendären Kasperltheater, mit dem er über Jahrzehnte auf Festen wie der Auer Dult und der Wiesn vertreten war, wurde er zur Münchner Legende. Als „Kasperl von der Au“ ging er in die Stadtgeschichte ein. Und er tat damit sein Leben lang das, was er am liebsten tat: „Wenn er Kinder zum Lachen brachte, war das das Höchste für ihn“, sagt sein Sohn, der ebenfalls Ludwig Trollmann (64) heißt.
Das Leben für die Jahrmärkte und Volksfeste wurde seinem Vater gleichsam in die Wiege gelegt: „Ich bin Schausteller, seit ich lebe“, sagte der alte Ludwig Trollmann einmal selbst. Seine Familie ist seit über 90 Jahren auf dem Oktoberfest vertreten, seine Eltern betrieben unter anderem ein Teufelsrad – dort arbeitete Ludwig Trollmann mit, auch als Ansager und Einheizer.
Doch irgendwann lief das Teufelsrad nicht mehr so gut, die Familie musste es aufgeben. Ludwig Trollmann fing beim Münchner Baureferat an, doch seine Leidenschaft fürs Unterhalten ließ ihn nicht los. Später sprang er dann beim „Kasperl Schmid“ in dessen Puppentheater ein. „Dort entdeckte er die Liebe zum Kasperlspielen“, sagt sein Sohn.
Kurz entschlossen baute Ludwig Trollmann sein eigenes Kasperltheater – für ihn kein Problem, schließlich war er gelernter Schmied. Ab Mitte der 70er-Jahre spielte er groß auf für die Kleinen: von Auer Dult bis Wiesn, daneben auf anderen Festen und Veranstaltungen. Die Stücke schrieb er selbst. „Für die Kinder war das ein Heidenspaß: laut, schön und lustig“, erzählt sein Sohn.
Es waren Stücke, die aber genauso Erwachsene begeistern. „Es war auch politisch“, erinnert sich Yvonne Heckl, Sprecherin der Wiesn-Schausteller. Trollmann habe dabei zur alten „Garde an Schaustellern“ gehört, so Heckl. Einer Generation, die schwere Zeiten durchlebte, in denen die Konkurrenz durch andere Unterhaltungsformen größer wurde. „Doch er hat nie aufgegeben“, betont Heckl.
Ludwig Trollmann selbst sprach auch von diesem Wandel, vom schrumpfenden Publikum und neuen moralischen Standards. Irgendwann habe es Beschwerden gegeben, seine alten Stücke seien zu gewalttätig gewesen, erzählte er vor 15 Jahren auch unserer Zeitung. „Da hab i lauter neue Stückl schreiben müssen, denn die alten san ja alle so nausgangen: Da hat’s immer Hirnbatzl für das Krokodil und den Teufel geb’n“, sagte er.
Trotz allem blieb er seiner Leidenschaft lange treu. Bis vor zehn Jahren spielte er noch selbst Kasperltheater. An Heiligabend ist Trollmann gestorben. JULIAN LIMMER