Wie sicher ist der Stachus?

von Redaktion

Nach Randale bei McDonald’s: Report vom Karlsplatz

Kennen sich am Stachus aus: Obstverkäuferin Nicole Wagner (li.) und Anwohner Michael Böllner (re.). © schlaf, Hartmann

Er schlägt alles zu Boden: Ein Unterfranke (52) wird am Sonntagmorgen im McDonald‘s festgenommen. © privat

Wer sich am vergangenen Sonntag in aller Früh in die McDonald’s-Filiale am Stachus verirrte, fand sich im Chaos wieder. Mit voller Wucht drosch ein Mann immer wieder auf den Tresen ein. Alles, was dort aufgestellt war, ging scheppernd zu Bruch. „Keine Gewalt“, hatte der Randalierer zuvor geschrien. Doch als er kurz nach 7 Uhr keinen Espresso bekommt, dreht der Unterfranke durch. Während er das Interieur zerlegt, gehen Mitarbeiter in Deckung. Ein Kunde filmt den Ausbruch (zu sehen auf www.merkur.de), den die Polizei schnell beendet. Später wird der 52-Jährige eingewiesen. Ein Vorfall, der den Karlsplatz erneut in die Schlagzeilen bringt.

Diebstähle, Körperverletzungen und Drogengeschäfte machen den Stachus seit gut zehn Jahren zum heißen Pflaster. Auch Standlbetreiber klagten über Probleme mit pöbelnden Jugendbanden. Seit 2024 gibt es immer wieder Gerüchte um einen Teenie-Strich. Im vergangenen Juli wurde ein hochmoderner Kameraturm aufgestellt, um immer ein Auge auf den Brennpunkt zu haben. Zwar sei wegen der Videoüberwachung die Zahl der Straftaten nicht gesunken. „Im Bereich der Gewaltkriminalität und bei den Rauschgiftdelikten ist aber ein Rückgang zu verzeichnen“, teilt das Präsidium mit. Das Kreisverwaltungsreferat begrüßt die Videoüberwachung durch die Polizei vor Ort.

Für Anwohner Michael Böllner (67), der schon immer am Stachus lebt, hat der Turm keine großen Auswirkungen. „Das Sicherheitsgefühl hat sich kaum verändert“, sagt er. Noch immer gebe es Probleme – vorwiegend durch Gruppen. Schmutz, Streit und Pöbeleien seien insbesondere in den Nächten am Wochenende ein „Dauerthema“. „Man braucht manchmal fast Gummistiefel, weil so viel Zeugs herumliegt“, sagt er. Der Müll sei jedoch nur ein Teil des Problems: „Es kommt auch vor, dass sich Leute anschreien und streiten“, berichtet er. Insgesamt gehe es „laut, ruppig und wild“ zu.

Eine Verkäuferin eines anliegenden Ladens bestätigt seine Beobachtungen. „Der Stachus ist ein Brennpunkt. Vor einigen Jahren war es noch schöner hier“, sagt sie. Auch sie berichtet von lautstarken Streitereien sowie von Jugendlichen, die in Hauseingängen Marihuana konsumierten. Auch Nicole Wagner (44), die häufig an einem Obststand am Stachus verkauft, klagt: „Trotz der Kameras brüllen Jugendliche hier rum und sind laut“, sagt sie. Aus ihrer Sicht habe die Überwachung dennoch etwas gebracht. Offensichtliche Kriminalität habe abgenommen.

Mit Blick auf den aktuellen Vorfall heißt es von McDonald’s: Grundsätzlich stelle der Drogen- und Kriminalitätshotspot rund um den Hauptbahnhof bis zum Stachus die ansässigen Akteure vor wachsende Anforderungen. „Zwar haben die zuständigen Behörden bereits Maßnahmen diesbezüglich ergriffen, die jedoch langfristig ausgelegt sind und daher nicht unmittelbar zu Veränderung führen.“ Deshalb habe der Restaurant-Franchisenehmer am Stachus für besonders stark frequentierte Besuchszeiten am Wochenende einen Sicherheitsdienst beauftragt. Der hat sich am Sonntag ausgezahlt: Trotz Randale wurde niemand verletzt. JULIAN LIMMER, NADJA HOFFMANN, NINA BAUTZ

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