So funktioniert die Bierpreis-Formel

von Redaktion

Im Tal ist das Helle günstiger als anderswo – Wie die Wirte kalkulieren

Das Lokal Haxnbauer ist im Tal unweit des Isartors gelegen und schenkt Hacker-Pschorr aus.

Prost! Constantin Wahl (li.) und Sebastian Kuffler senken den Bierpreis im Haxnbauer auf 4,80 Euro für die Halbe. © Marcus Schlaf (3), Sigi Müller/Brauerbund

Weit über fünf Euro für die Halbe – das ist in der Münchner Innenstadt mittlerweile Standard. Umso erfreulicher, wenn ein Wirt die Bierpreise senkt. Wie wir gestern berichteten, reduzieren Constantin Wahl und seine Partner Sebastian Kuffler im Haxnbauer und Peter Kinner im Tegernseer-Tal-Bräuhaus den Preis bis mindestens Ende Juni erheblich: im Tegernseer etwa von 5,70 auf 4,50 Euro bei der Halben und Haxnbauer auf 4,80 Euro. Wie kann so was funktionieren? Und wie kommt der Gastro-Bierpreis eigentlich zustande? Wir haben nachgefragt.

Bei Constantin Wahl ist die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie seit dem 1. Januar indirekt verantwortlich. Diese gilt eigentlich nur auf Speisen. „Aber weil die Lebensmittelpreise regelrecht explodieren, können wir da nicht mit dem Preis runtergehen“, so Wahl. Er wollte trotzdem auf die Steuersenkung reagieren – deshalb der Bierpreis-Sturz.

Die Preissenkung sei ein betriebswirtschaftliches „Experiment“, erklärt Wahl. „Aber ich bin sicher, dass es aufgeht – dass die Gäste wegen der geringeren Preise mehr Bier trinken und auch mehr zusätzliche Gäste kommen, die dann auch noch etwas essen.“ Die Rechnung sei einfach: Wenn man mit dem Preis etwa 25 Prozent runtergehe, müsse man 25 Prozent mehr verkaufen.

Für die Berechnung des Preises hat jeder Wirt seine eigene Formel. Der Preis ist abhängig von etlichen Faktoren: etwa, ob die Gaststätte brauereigebunden ist oder nicht, ob sie auf dem Land liegt oder in der Stadt. Wenn eine Wirtschaft einen Brauereivertrag hat, muss sie von dieser Brauerei das Bier beziehen. Der Abnahmepreis ist in der Regel höher. „Wenn die Gaststätte nicht brauereigebunden ist, bekommt sie einen guten Preis, damit sie nicht zu einer anderen Brauerei wechselt“, sagt Wahl.

Aber auch die Wirte in München, die ihr Bier von der gleichen Brauerei beziehen, können dennoch unterschiedliche Abnahmepreise zahlen. „Das Leistungsgefüge der Brauerei geht oft weit über die bloße Bierlieferung hinaus und wird im Einzelvertrag festgelegt“, sagt Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes.

„Wenn der Wirt etwa die Theke oder die Einrichtung von der Brauerei bekommt oder sie ihm ein Darlehen gewährt, lässt das auch den Abnahmepreis steigen.“ Der Wirt zahlt für sein Bier auch mehr bei der Brauerei als der Einzelhandel, schließlich kann eine große Supermarktkette einen ganz anderen wirtschaftlichen Druck ausüben als ein einzelner Wirt.

Wenn die Gaststätte ihr Bier eingekauft hat, startet die betriebswirtschaftliche Rechnung. „In der Münchner Innenstadt sind Miete oder Pacht und die Personalkosten viel höher als auf dem Land“, sagt Constantin Wahl. Damit es sich dort rechne, müsse der Wirt vom Gast nicht selten das Fünffache vom Nettoeinkaufspreis verlangen.

Oft viel günstiger als klassische Gaststätten sind die immer beliebter werdenden Stehausschänke. Gastronom Lorenz Stiftl betreibt gleich zwei davon in der Innenstadt – und die Halbe kostet dort nur je 3,90 Euro. „Wir haben dort keine große Küche und keinen Koch, eine kleine Fläche und damit weniger Miete und vorrangig Selbstbedienung, das spart Personal.“

Im Augustiner am Dom kann man derzeit übrigens auch sparen: Zum 20. Jubiläum gibt es hier bis 19. März eine Halbe Augustiner für 3,90 Euro. Die Gäste wird’s freuen! Denn: Am Ende entscheidet auch die Trinkfreudigkeit des Gastes über den Preis. NINA BAUTZ

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