Wird per internationalem Haftbefehl gesucht: Marinna M. (44), die sich als Amela Millionen ergaunert hat.
Auf dem Viktualienmarkt etwa sprechen die „Schamaninnen“ ihre Opfer an und wollen mit Tarot-Karten und Ähnlichem deren Aura reinigen. © Sigi Jantz
Aktuell stehen ihr Ex-Mann, ihr Sohn und ihre Schwiegertochter in Österreich vor Gericht: Von der selbst ernannten Aura-Seherin Amela, die eigentlich Marianna M. heißt, fehlt aber weiter jede Spur. Die falsche Heilerin wird per internationalem Haftbefehl gesucht und soll mit Okkult-Betrügereien zehn Millionen Euro Beute gemacht haben. Auch in München! Die Wunderheilerin ist aber nicht allein: Das Polizeipräsidium warnt eindringlich vor Trickbetrügerinnen, die hauptsächlich Frauen im Visier haben.
Seit zwei Jahren ermittelt Martin S. in diesem Phänomenbereich. Auch verdeckt, weshalb der Experte des Kommissariats 61 anonym bleiben will. Eine Masche, bei der es um die „getrübte Aura eines Menschen“ geht, um „blockierte Chakren“ und „esoterische Rituale“? Das klang für ihn zunächst befremdlich. Schnell wurde dem Ermittler aber klar: „Da gibt es nichts zu belächeln.“
Die Täterinnen, die allesamt aus Familienclans stammen, gehen hochprofessionell und mit jahrelanger Erfahrung vor. Sie suchen sich ihre Opfer auf Esoterikmessen, in der Ratgeber-Abteilung von Buchhandlungen oder ganz einfach auf Wochenmärkten in Innenstädten. Der Fokus liegt dabei auf Frauen, die dem Spirituellen offen gegenüberstehen, die gerade Antworten im Leben brauchen oder einfach Rat suchen.
Laut Martin S. werden sie angesprochen und für ihre schöne, lilafarbene Aura gelobt. Wer sich auf einen gemeinsamen Kaffee einlässt, dessen Vertrauen wird schnell gewonnen. Dabei sprechen die Täterinnen an, dass es da einen dunklen Fleck in der Aura gebe, etwas würde die Gesprächspartnerin bedrücken. Die Wunderheilerinnen sind Profis in der Manipulation – und haben es wie alle Betrüger nur auf eines abgesehen: das Geld ihrer Opfer.
Für ihre Dienste lassen sie sich bezahlen. „Das geht bei 300 Euro los“, sagt Martin S., dann wird es schnell teurer. Gezahlt wird etwa dafür, dass die Aura-Seherinnen einen Fluch aufheben. Oder zu Erzengeln beten – während ihr Opfer in Rosenwasser badet oder eine Kerze anzündet. Das Geld werde aber nie direkt gefordert. „Wie viel ist es Dir wert?“ So lautet die magische Frage, die die Frauen dann selbst beantworten sollen. 230 000 Euro habe eine Weilheimerin 2011 an eine Aura-Betrügerin verloren. Im gleichen Jahr machte die gesuchte Amela 200 000 Euro Beute in München. In Regensburg steht ein Fall vor Gericht, bei dem es um 300 000 Euro geht. In der Landeshauptstadt laufen aktuell mehrere Ermittlungen.
Das große Problem für Martin S. und seine Kollegen: Kaum ein Opfer erstattet Anzeige. Die Dunkelziffer gilt als enorm hoch. Die Polizei bittet Betroffene, sich unter 089/29100 zu melden.NADJA HOFFMANN