Es ist noch lange hin bis zur Wiesn, dennoch hat Bürgermeister Dominik Krause bereits das erste Fass aufgemacht – sprichwörtlich. Der OB-Kandidat der Grünen fordert einen Preis-Stopp auf dem Oktoberfest. Hintergrund ist die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie – und unsere Berichterstattung darüber, dass bereits erste Betriebe in der Innenstadt diese Senkung an die Gäste weitergeben.
„Bei manchen Nachrichten muss man sich selbst zwicken, weil man es kaum glauben kann“, sagte Krause im Gespräch mit Radio Charivari. Aber er empfinde es als großartig, dass einige Münchner Wirte jetzt einen Teil der Mehrwertsteuersenkung an die Gäste weitergeben. „Und ich finde, da können sich auch die Wiesenwirte durchaus eine Scheibe abschneiden und dieses Jahr zumindest mal eine Nullrunde beim Bierpreis einlegen. Ich bin sicher, auch so wird kein Wiesenwirt verarmen.“
Wie berichtet, hat die Bundesregierung zum 1. Januar die Mehrwertsteuer in der Gastronomie gesenkt. Auf alle Speisen sind nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. Für Getränke – also auch für Bier – bleibt es beim regulären Satz von 19 Prozent.
Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel ist nicht nur deshalb skeptisch. Schließlich würden die Brauereien bereits bis zu fünf Prozent mehr im Einkauf verlangen, die Preise für Fleisch schnellten um 15 Prozent in die Höhe. Außerdem steige der Mindestlohn. „Ich habe sogar schon einen Lieferanten, der mir gesagt hat, dass er jetzt endlich die Preise erhöhen kann, weil wir Wirte ja Geld vom Staat bekommen.“ Schottenhamels Fazit: „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er den Bierpreis halten kann.“ Im vergangenen Jahr lagen die Preise für eine Mass Festbier zwischen 14,50 und 15,80 Euro.
Der Wiesnbier-Preis setze sich aus mehreren Faktoren zusammen, wie Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) erklärt: Pacht, Energiepreis, Lebensmittel und Bierpreis der Brauereien. „Wir appellieren an Augenmaß und Nachvollziehbarkeit bei der Preisgestaltung – nicht nur beim Bier, sondern auch bei Speisen und anderen Getränken –, damit die Wiesn ihren Volksfestcharakter behält.“SASCHA KAROWSKI