Richter für die harten Fälle

von Redaktion

Michael Höhne urteilt über den Attentäter

Sein kahler Kopf und der strenge Blick sind wohl so manchem Schwerverbrecher in Erinnerung geblieben: Mehr als 20 Mörder und Totschläger hat Richter Michael Höhne (65) in München hinter Gitter gebracht, oft lebenslang. Von 2010 bis 2019 leitete Höhne die 1. Schwurgerichtskammer am Landgericht – vor ihm saßen die schlimmsten Kriminellen, brutal und gewissenlos.

Höhne, seit 1991 im Dienst der bayerischen Justiz, gilt als Richter für die harten Fälle. Den Angeklagten gegenüber zeigt er sich jedoch oft empathisch: Er nimmt sich Zeit, hört lange zu. Nur eines nervt ihn elementar: Wenn Angeklagte dreist lügen, „dann kann ich auch laut werden. Ich schreie aber höchstens, wenn Angeklagte selbst laut werden – um sie in die Schranken zu weisen“, sagte Höhne einmal im Interview mit unserer Zeitung. Strenge und Autorität sind Höhne wichtig. „Aber ich bin der Meinung in ruhiger Atmosphäre hat man die beste Chance, herauszubekommen, was tatsächlich passiert ist.“

Der Fall Farhad N. ist zwar in groben Zügen bekannt: Mitte Februar 2025 raste der Afghane mit einem Mini Cooper in den Verdi-Demonstrationszug und tötete zwei Menschen. In dem Mammutverfahren mit 40 Verhandlungsterminen – der Prozess beginnt am heutigen Freitag – wird es aber darum gehen, die Details sauber aufzuklären. Etwa: Hatte der Angeklagte eine klar nachweisbare terroristische Absicht? Und wollte er gezielt Menschen töten?

Auch wenn ein Angeklagter eine noch so schlimme Tat begangen habe, müsse er „die Gelegenheit erhalten, seine Sicht der Dinge darzustellen“, sagte der Richter einst. Und gab auch sein Pensum preis: Bis zu 60 Stunden pro Woche arbeitet Höhne. Akribisch studiert er hierbei die Akten, bereitet sich minutiös auf Gerichtsverhandlungen vor – im Fall von Farhad N. bereits seit Monaten. „Ich lasse mich ungern überraschen, das ist für mich wichtig“, lautet Michael Höhnes Credo.

Der Erfolg gibt ihm jedenfalls Recht: Seit 2019 hat er den Vorsitz des 7. Strafsenats am Oberlandesgericht München inne – seit Jahren ist Höhne auf Terror spezialisiert. Doch er weiß auch: „Wenn man es nicht schafft, auch mal abzuschalten, ist dieser Beruf auf Dauer eine Sache, die einen auffrisst.“ Der Ausgleich und das Private am Abend sind ihm wichtig. ANDREAS THIEME

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