Flatterband weg? 96 Millionen, bitte!

von Redaktion

Bahnübergang Fasanerie: Baubeginn für Luxus-Unterführungen – Sieben Jahre Bauzeit

Blick in die Zukunft: So soll das Areal rund um den Bahnübergang in sieben Jahren dann aussehen. © LHM

Der legendäre Flatterband-Einsatz am Bahnübergang Fasanerie – jedes Mal vonnöten, wenn Züge kamen. © Marcus Schlaf

Die Schranke am S-Bahnhof Fasanerie ist nicht nur ein Dauer-Ärgernis – sondern längst eine lokale Lachnummer. Nachdem ein Auto den Schlagbaum 2022 gerammt und dabei die Automatik beschädigt hatte, mussten Bahnmitarbeiter über Monate jedes Mal manuell ein Flatterband spannen, wenn Züge kamen (wir berichteten). Die Folge: lange Wartezeiten für Autofahrer und Fußgänger. Denn der Übergang ist pro Stunde 35 Minuten geschlossen. Jetzt soll das Problem behoben werden. Wie? Mit einer Doppel-Unterführung. Die Kosten: 96 Millionen Euro!

Die Luxus-Lösung in der Fasanerie – so soll es laufen: Der ebenerdige Übergang wird durch zwei getrennte Unterführungen ersetzt: eine für Autos und eine für Fußgänger und Radler. Bis alles fertig ist, dauert es allerdings sieben Jahre. Wer für das 96-Millionen-Projekt blechen wird? Die Stadt übernimmt gut 19 Millionen Euro, den Rest der Gesamtsumme teilen sich Bund, Bahn und der Freistaat.

Eine Wertstoffinsel in unmittelbarer Nähe der Gleise wurde bereits abgebaut. „Als Nächstes werden die Baustelleneinrichtungsflächen angelegt. Im Frühjahr folgen die erforderlichen Kampfmittelsondierungen“, erläutert ein Sprecher der Bahn den weiteren Zeitplan. Die Hauptarbeiten für die erste Unterführung starten im Mai. Südlich des bestehenden Bahnübergangs – in der Verlängerung der Trollblumenstraße – wird eine Hilfsbrücke für die Bahngleise errichtet. Im Anschluss entstehe dort „in einem technisch anspruchsvollen Verfahren die neue Unterführung für den Straßenverkehr“. Diese soll als erster Teil 2029 fertig sein, die Straßenanbindung der Unterführung an die Feldmochinger Straße dann 2030.

Auf den Straßenverkehr hätten die Bauarbeiten keine größeren Auswirkungen, da dieser wie bisher weiter über den Bahnübergang laufen kann“, so der Bahn-Sprecher. „Betroffen ist lediglich ein Abschnitt der direkt an den Gleisen verlaufenden Borsigstraße, der Teil der Baustelle sein wird und daher nicht mehr befahren werden kann.“

Anders sieht es im Bahnverkehr aus: Hier wird es vor allem nachts immer wieder einzelne Sperrungen geben. In den Pfingstferien 2026 müssen die Gleise sogar komplett gesperrt werden. Dann wird die Hilfsbrücke errichtet. In dieser Zeit wird der Bahnverkehr umgeleitet, die Fahrgäste der S-Bahn müssen auf Busse umsteigen.

Sobald die Unterführung samt Anbindung für die Autos fertig ist, beginnt der Bau der neuen Fuß- und Radwegunterführung im Bereich des bestehenden Bahnübergangs. Das gesamte Projekt Fasanerie soll dann laut Bahn und Baureferat bis 2033 fertig sein.

Der neue Übergang soll so gestaltet werden, dass ein Platz mit echter Aufenthaltsqualität entsteht. Hier waren im Vorfeld verschiedene Varianten im Gespräch. Auch die Bürger durften mitentscheiden. Den Zuschlag hat eine Gestaltung mit Terrassen bekommen (siehe Visualisierung). Der Bezirksausschuss hat den aktuellen Planungen zugestimmt. Auch wenn sich durch dieses große Bauprojekt „die verkehrliche Situation weiter verschärfen“ werde. DANIELA FÜRST

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