Vergilbte Klingelschilder künden vom Leerstand.
Beispiel Geyerstraße 17 im Glockenbachviertel: Dort passiert schon seit Jahrzehnten nichts mehr. © Schmidhuber (2)
Anti-Leerstands-Aktion der Linken in der Steinheilstraße im Oktober 2024. © Schlaf (Archiv)
Das Thema ist inzwischen so brisant, dass es eine Konferenz braucht: Tausende Immobilien, die trotz Wohnungsmangel in München leer stehen. Laut Zensus 2022 sind es 22 000. Und das, obwohl es nach Angaben der Stadt jährlich um die 30 000 Anträge auf Sozialwohnungen gibt, denen nur 3000 Vergaben gegenüberstehen. Die Linke sowie die Initiativen „Abbrechen abbrechen“ und „Freiräumen“ laden deshalb am heutigen Samstag ab 10.30 Uhr zur großen Leerstandskonferenz in die Philippuskirche.
Das Sozialreferat, das Leerstände verzeichnet, erklärt die hohe Zahl so: „Die tatsächliche Leerstandsquote ist sehr gering. Bei 53 Prozent (rund 11 800) dieser Wohnungen handelt es sich um Wohnungen, die innerhalb der nächsten drei Monate für den Bezug verfügbar waren.“ Für die Stadt zählten nur illegale Leerstände. Und was weniger als drei Monate leer steht, ist nach der städtischen Zweckentfremdungssatzung kein illegaler, sondern ein „marktaktiver“ Leerstand.
Für die restlichen leeren Wohnungen gebe es triftige Gründe, so die Sprecherin des Sozialreferats. Entweder eine Wohnung habe trotz Bemühungen länger nicht vermietet werden können, werde umgebaut oder verkauft. Der Leerstand gilt somit als vorübergehend gerechtfertigt. „Das Sozialreferat überwacht hier die möglichst schnelle Wiederzuführung zu Wohnzwecken.“
Die Linken haben im Herbst mit einer Aktion an der Baaderstraße 61, wo ein Gebäude größtenteils leer steht, auf das Problem aufmerksam gemacht. Ihnen zufolge geht es den Eigentümern um ganz andere Dinge: um die möglichst unaufwendige (= mieterfreie) Wertsteigerung des Bodenpreises, um Luxussanierung oder Umgehung des Denkmalschutzes durch „Kaputtstehenlassen“. Oder schlicht um Streit, wie an der Geyerstraße 17 im Glockenbachviertel, wo das Gebäude seit Jahrzehnten leer steht. Grund: Die Eigentümer möchten höher neu bauen, als die Stadt erlaubt.
Die Stadt möchte illegale Zweckentfremdung konsequent verhindern. Allein im vergangenen Herbst wurde ein Bußgeld in Höhe von 230 000 Euro an die Eigentümer vier verschiedener Objekte verhängt.ISABEL WINKLBAUER