Das Kino am Sendlinger Tor ist zurück

von Redaktion

Zwischennutzungskonzept „Das neue Dings“ bietet eine Bühne für verschiedene Künstler

Bitte lächeln: Ein Pantomime animiert das Publikum.

Betreiber Nicolás Solar Lozier und Frederick Lau (re.).

Endlich sind die roten Sitze im Kino wieder besetzt, am Freitag war Premiere.

Abendunterhaltung im Kino am Sendlinger Tor, das jetzt „Das neue Dings“ heißt. © Markus Götzfried (4)

Ein Hauch von Happy End: Das Filmtheater Sendlinger Tor, das im Januar 2025 nach 111 Jahren schließen musste, ist wieder geöffnet – vorerst für knapp drei Monate, und ein wenig anders als gewohnt. Und sogar König Ludwig III. war bei der Wiedereröffnung am Freitag dabei – natürlich nicht der echte, sondern ein Live-Schauspieler, der den ganzen Abend lang den Monarchen mimte.

Das Ganze verrät auch etwas über das Konzept: Die Macher wollen das Kino neu denken, weit über die eigentliche Leinwand hinaus. Der ganze Saal soll zur Spielfläche für Künstler werden – Live-Schauspiel, Musik, Licht- und Skulpturkunst, Tanz und vieles mehr. Der Name des Zwischennutzungsprojekts: Das neue Dings.

Einen Vorgeschmack gab es bei der Eröffnung: Da flimmerte zuerst ein Kurzfilm über die Leinwand, so weit, so normal. Doch direkt danach tänzelte ein Jongleur zusammen mit einem Bassspieler über die Bühne, eine moderne Zirkusperformance. Kurz darauf fluteten tausende kleine Lichtpunkte den gesamten Saal, in allen Farben flirrten sie über die altehrwürdigen Säulen, die Logen, die Ornamente im Saal. Dazu spielte der Pianist Ralph Kiefer – viele kennen ihn von seinen Gastspielen in der Fußgängerzone – live Klaviermusik, zu der sich die Punkte bewegten. Ein Schauspiel aus Licht und Klang, immersive Kunst.

Dieser Mix zeige, was in dem Saal in den kommenden Wochen alles möglich sei, sagt Fillin Guas vom Künstlerkollektiv „Broke Today“: „Es entsteht ein kreativer Wolpertinger, eine Bühne für verschiedene Künstler.“ Broke Today stehen zusammen mit dem Event-Manager Matthias Schlick und dem Berliner Streamingdienst Behind the Tree hinter dem neuen Projekt.

Klassisches Kino soll dabei jedoch auch wieder eine Rolle spielen: Als erster regulärer Spielfilm läuft dort am 30. Januar der französische Kultfilm „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Eintritt 12 Euro), dazu gibt’s Austern und Champagner – der Auftakt der Filmreihe „Oysters and Movies“.

Für den Filmpart der Zwischennutzung ist vor allem Behind the Tree zuständig, hinter dem unter anderen der Schauspielstar Frederick Lau steht: „Es ist so wichtig, Sachen zu erhalten“, sagte er am Freitag. Deshalb sei es „wunderschön“, dass ein so traditionsreiches Kino nun zum „Begegnungsort“ werden könne, „an dem sich verschiedene Künste beschnuppern können“, sagte Lau. Er selbst verbindet auch eine persönliche Geschichte mit dem Ort: Als er vor vielen Jahren, als er selbst noch ein Kind war, einen Film in München drehte, sei er mit seinem Vater damals in das Sendlinger-Tor-Kino gegangen: „Ich verbinde hiermit total schöne Erinnerungen“, sagte er. Das soll nun wieder aufleben.

Bei den Premierengästen weckte das Vorfreude: „Dieser Ort ist ein Symbolbild für die Münchner Kultur- und Kinolandschaft“, erklärte Münchens zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne). Als das Filmtheater vor einem Jahr schließen musste, hätten ihn wahnsinnig viele Nachrichten erreicht: „Die Leute schreiben mir, dass es nicht wahr sein darf, dass so ein Ort nicht mehr zugänglich ist.“ Vor diesem Hintergrund habe es ihn besonders gefreut, endlich wieder einen vollen Saal zu sehen.

Das neue Dings läuft noch bis Ende März. Das Programm finden Sie unter www.dasneuedings.deJULIAN LIMMER

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