20 Tage ist das neue Jahr nun alt, höchste Zeit, einmal auf den Stand der Vorsätze zu schauen. Einer meiner Vorsätze war, besser auf meine Sachen aufzupassen, nachdem mir leider häufig leichtfertige Missgeschicke passieren. Beispiele dafür gibt es viele: das neue Hemd, über das ich Rotwein schütte, das neue Fahrrad, dessen Rücklicht ich beim Zuschlagen des Gartentürchens zerstöre. Oder, ganz traumatisch, die neue Swatch-Uhr, die seit 1993 irgendwo am Stachus liegt, weil ich sie zehn Minuten nach dem Kauf verloren habe.
Deshalb der Vorsatz „besser aufpassen“ und es läuft gut: Am Samstag musste ich ein bisschen Holz machen und bin nur zweimal und nicht wie sonst zehnmal fast mit der Axt im Bein gelandet, am Fleck auf dem neuen Pullover vom Christkind bin ausnahmsweise nicht ich, sondern meine Tochter schuld. Und bei der Party am Freitag fiel nicht mir ein Glas zu Boden, sondern meiner Frau. Es war schön, von ihr verschuldete Scherben aufzusammeln und gönnerhaft „Kann jedem mal passieren“ zu murmeln. Und noch leiser: „Schön, dass es mal dir passiert und nicht mir.“
Im Bekannten- und Verwandtschaftskreis bewegt sich auch einiges. Ein naher Verwandter hat aus heiterem Himmel angefangen, Saxofon zu spielen, und trötet ungefragt bei jeder Gelegenheit ins Telefon. Nachbar K. hat sich offenbar vorgenommen, mich nicht mehr zu grüßen und setzt das mustergültig um. Freund B. hat sich vorgenommen, den Weltrekord im Dauerquatschen zu brechen. Freitag habe ich drei Wörter gesagt und er 37 569. Jeder gibt sein Bestes für seine Vorsätze.
Seit Samstag kam nun noch ein großer Vorsatz dazu. Denn da berichtete Freundin K. , wie sie ihre Vorsätze fasst: Sie macht sich nicht, wie ich, nur über einen Vorsatz und das eine Minute vor dem Jahreswechsel Gedanken, sondern hat ein uraltes Ritual. An jedem 5. Tag eines Monats geht sie um 5.55 Uhr in den Wald, gräbt fünf Zentimeter tief und legt dort fünf Wünsche hinein. Nein, so nicht, aber ungefähr. In Wirklichkeit hat es mit den Raunächten zu tun: Am 21. Dezember schreibt sie insgesamt 13 Vorsätze auf, faltet sie zusammen, verbrennt jeden Tag bis zum 5. Januar einen davon – und der, der am 6. Januar übrig bleibt, der ist der Vorsatz des Jahres. „Und den setze ich dann wirklich um.“ Und die anderen 12? „Um die kümmert sich das Universum.“ Dank meines Kreuzverhörs kam ich auf das ungefähre Thema ihres zentralen Vorsatzes – mehr Sport.
13 Vorsätze. Und ich komme nur auf einen. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Abends schrieb ich also insgesamt 13 Vorsätze auf, schmiss, wie angelernt, nacheinander 12 von ihnen in den Kamin, machte den 13. Vorsatz auf, las ihn – und warf ihn instinktiv wie die anderen 12 in die Glut. „Nein, den musst du doch aufheben“, rief meine Frau, worauf ich panisch den angekokelten Zettel aus dem Feuer zog, löschte und in meinem Geldbeutel sicherte, zur Erinnerung für das ganze Jahr. Was draufsteht? „Pünktlicher werden!“ Und dieser Vorsatz freut ganz sicher auch die lieben Redakteure dieser Zeitung. Und um die anderen 12 Vorsätze kümmert sich eh das Universum.