Der zerstörte Kinderwagen der kleinen Hafsa beim Anschlag am 13. Februar 2025 – rechts der Mini des Attentäters. © IMAGO
Maximilian D. (24) rennt zur kleinen Hafsa († 2). Das Kind liegt leblos in der Seidlstraße, eine Sanitäterin mit rotem Medizin-Rucksack ist bei ihr. „Sie sagte zu mir: ,Das Kind ist tot, das Kind ist tot‘“. So schilderte der Polizeiobermeister gestern vorm Oberlandesgericht München die dramatischen Sekunden nach dem Anschlag am 13. Februar 2025.
Maximilian D. fuhr an diesem Tag genau hinter der Verdi-Demo in der Seidlstraße in einem VW T6, sollte den Zug mit Kollegen des Unterstützungskommandos absichern. Doch Farhad N. konnte sich mit seinem weißen Mini Cooper durch die Polizeifahrzeuge schlängeln und von hinten in die Menge fahren (wir berichteten). Maximilian D. hörte den „Motor aufheulen“, sagte er im Gerichtssaal. Er sah „Menschen rechts und links vorbeifliegen“. Auch ein Kinderwagen sei durch die Luft geflogen – wohl der Kinderwagen, in dem Mutter Amel S. († 37) ihre Tochter Hafsa geschoben hatte.
Nach einigen Metern sei der Mini stehen geblieben, sagte der junge Polizist. „Ich hörte noch starkes Gasgeben“ – die Räder des Autos drehten in der Luft durch, weil unter dem Wagen Leute lagen. Er sei sofort rausgerannt, habe dann vier Erste-Hilfe-Sets geholt und an Kollegen verteilt. Danach habe er geholfen, Verletzte zu versorgen. Hilfe, die für Hafsa und ihre Mutter zu spät kam. Beide erlagen zwei Tage danach ihren schweren Verletzungen.
Auch MVG-Mitarbeiter Ralf L. (47) erlebte den feigen Anschlag aus nächster Nähe. Er steuerte seinen Unfallhilfswagen gleich links von Maximilian D. Über Farhad N. sagt er: „Kaum war er eine halbe Wagenlänge vor mir, hat er Vollgas gegeben.“ Bremslichter habe er keine gesehen, so Ralf L. Der Mini war also wohl ungebremst in die Menge gerast. Menschen seien „weggespritzt“, so L. „Ich hörte dumpfe Geräusche vom Aufprall“, sagt er. „Ich hab‘ gedacht, das ist nicht echt, das ist ein Traum.“
Der Generalbundesanwalt wirft Farhad N. zweifachen Mord und versuchten Mord in 44 Fällen vor. Der Afghane hörte den Zeugen still zu, zuckte dabei mit dem Kopf, als habe er Ticks. Die Bilder des Tatorts musste er sich von Nahem am Laptop ansehen. Farhad N. klagt über Augenprobleme. Er soll heute in eine Augenklinik gebracht werden und eventuell eine Brille bekommen. TG