Der unvergessene Elvis von Schwabing

von Redaktion

Richard Rigan galt in München als „da King vom Rock‘n‘Roll“ – vor drei Jahren starb er

Liebenswerter Mensch: ein Bild mit seiner Mutter um 1960. © Westermann/imago

Legendär: Rigan als Elvis zusammen mit Günther Sigl von der Spider Murphy Gang.

Ein Paradiesvogel: Richard Rigan vor seiner Stammkneipe Kurfürstenstüberl im Jahr 2016. Sein Markenzeichen – die Lederjacke. © Heinz Weissfuss/Sigi Jantz

„Schmoiz von gestern glänzt in seine graua Hoar. Elvis von Schwabing hams zu eahm gsogt in seine wuidn Joahr.“ Diese nostalgisch traurigen und ach so münchnerischen Klänge schrieb Günther Sigl von der Spider Murphy Gang. Ein Lied, das zu Unrecht gar nicht so bekannt wurde und doch so viel über die Vergänglichkeit der großen Schwabinger Zeiten aussagt. Über jene unzähligen Musikboazn und Kellerlokale und deren lokalen Helden.

Ein Herausragender war gewiss der „Elvis von Schwabing“, sprich Richard Rigan, der im Januar vor drei Jahren in den ewigen Rock’n’Roll-Himmel entschwunden ist und mit ihm jene Schwabinger Zeiten der Leichtigkeit des Seins und der berühmten „Weißen Feste“. „Aus is und gar is, und schad is, dass wahr is“, würde jetzt wohl Monaco Franze sagen. Aber, es würde Richard Rigan, der mit bürgerlichem Namen Richard Winter hieß, nicht gerecht, wenn man ihn nur als Gestriger in Erinnerung behielt. Als einer, der bei Frauen und Wodka nie Nein sagen konnte und dem seine Lederjacke scheinbar angewachsen war. Nein, Rigan war bis zu seinem tragischen Ende ein durchaus im Jetzt denkender Zeitgenosse, der täglich Börsenkurse studierte, sich mit allen Veränderungen in Schwabing anfreunden konnte und sich relativ wenig auf seine Bühnen- und Filmerfolge einbildete.

Vor allem war Richard Rigan trotz Eskapaden ein sehr sozialer, liebenswerter Mensch. Was sicherlich mit seiner Vergangenheit zu tun hatte, die – fernab der Lederjacke – kaum einer kannte. Wenn er vom echten Elvis Presley „In the Ghetto“ wiedergab, wusste er, wovon er sang: Richard kam aus dem „Ghetto“! 1945 in Tschechien als Kind von Zirkusleuten geboren – ein Kind der Straße, wo die Hälfte seiner Familie im Konzentrationslager umkam. Seine Mutter floh mit ihm barfuß über die Grenze, um in der Nachkriegszeit in München zu landen.

Ende der 50er-Jahre, als man gern die Vergangenheit vergessen wollte, begann der junge Richard Winter eine Lehre im Einzelhandel – für 55 Mark die Woche, am Platzl gegenüber dem Hofbräuhaus. Nach seiner Lehrzeit kaufte er sich seine erste Bassgitarre – eine „Ibanez“, die günstig herging und gründete mit Jugendfreunden seinen „Rigan-Clan“. Am 28.Februar 1963 hatten sie ihren ersten Auftritt in der Marlene-Bar in Mainburg bei den „Hopfenzupfa“. Ab da wusste Richard Winter: Ich bin Rock’n’Roller – ab heute heiße ich „Richie Rigan“.

Kurz darauf vermittelte der legendäre Discjockey und Moderator Chuck Herrmann den „Rigan-Clan“ an die Ami-Clubs in den McGraw-Kasernen. Es folgten Gastspiele in der Schweiz, erste Plattenverträge, Filmverträge, Hitparade, Auftritte mit Chuck Berry bis Suzi Quatro, sein legendärer „Riganclub“ an der Herzogstraße – viele Frauen, Wodka, wenig Schlaf – und in den 80er-Jahren der schleichende Abstieg zu den Boazn und Kellerlokalen, wo er einst begann.

Ja, Richie Rigan führte ein Rock’n’Roll-Leben, war zweifellos ein unvergesslicher Schwabinger oder wie die Spider Murphy Gang sang: „Er war da Größte in da Stadt, da King vom Rock’n’Roll.“W. A. RIEGERHOF

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