MÜNCHNER FREIHEIT

Schneematsch im Jahr 3000

von Redaktion

Zweifellos regeln die Zehn Gebote, die Moses damals vom Berg Sinai brachte, wichtige Lebensfragen, allerdings bewegen sie sich schon auf sehr hoher Reiseflughöhe. Über ganz normale Probleme in der Vorstadt von Elternabend über Tonnenleerung bis Schneeräumen steht da wenig bis nichts. Und selbst Jesus äußert sich auch bei genauer Lektüre weder pro noch contra in Bezug auf Schneematsch.

Insofern ist es schon ein Wunder, dass das Christentum überhaupt anschlussfähig wurde im Winter in kälteren Regionen. Vermutlich lief das über die Sehnsucht. Wenn an einem nasskalten 27. Januar ein Missionar von der tollen neuen Religion erzählte, von Palmen und Oasen und Meer, dann kann man es unseren Vorfahren nicht verübeln, wenn sie sagten: „Palmen? Klingt super, wo muss ich unterschreiben.“

Auch 2026 kriecht der Fortschrittsbalken Richtung Sommerurlaub langsamer dahin als das jüngste Windows-Update. Doch jetzt weiß ich, wie ich es schaffe, ich trickse mich einfach selber aus. Dabei hilft mir der Telefonanbieter meines Sohnes. Denn dort ist der Code, mit dem man das Handy aufladen kann, bis zum 1. Januar des Jahres 3000 verwendbar.

Die Perspektive eines fernen Jahres 3000 macht natürlich im Alltag vieles einfacher: Man wartet endlos lang an der Supermarktkasse? Im Vergleich zur Ewigkeit, die das Jahr 3000 entfernt ist, ein Wimpernschlag. Die Nachbarin erzählt spannende Geschichten über den eingezwickten Ischias? Einmal ans Jahr 3000 denken, schon ist es vorbei. Und klar, morgens durch den Schneematsch zu radeln, wird beim 3000er-Gefühl sofort ersetzt durch: barfuß durch den Sand. Weil im Vergleich zum Jahr 3000 liege ich ja fast schon übermorgen an der Adria.

Die Frage ist: Wie erhalte ich den Telefoncode bis ins Jahr 3000? Wie gebe ich ihn weiter? Wie kann ich meinem Ur-Ur-usw.-Enkel vermitteln, dass er oder sie spätestens am 31.12.2099 diesen Code in dieses merkwürdige Gerät namens „Handy“ aus dem Jahr 2026 tippen muss? Warum es diesen Code gibt, hat sich vielleicht irgendwann im Jahr 2600 verloren, aber es gibt ihn noch. Und jetzt am 31.12.2999 gibt mein Enkel R2-D2 den Code ein und alle fragen sich: Was passiert, wenn die letzte Ziffer eingegeben ist? Bricht ein Vulkan aus? Öffnet sich der Himmel? Sie wissen es ein paar Sekunden später, denn es kommt eine SMS: „Geschafft! Das Handy mit der Nummer 0173.. wurde mit 15 Euro aufgeladen!“

Ich muss also einen USB-Stick mit dem Zahlencode und dem Handy im Garten eingraben oder den Code in die Rinde eines Mammutbaumes ritzen. Oder klar, Steintafeln! Die Steintafeln werden von Generation zu Generation weitergegeben, bis zum großen Tag. Zwischendrin, wenn es dann wieder so einen Schneematsch hat wie derzeit, wird irgendjemand nörgeln: „Und was haben jetzt diese Tafeln mit unserem alltäglichen Problem zu tun, den Schnee vom UFO zu kratzen?“ Und mein Ur-Urenkel R2-D2 wird bestimmt etwas Schlaues sagen wie: „Sehr viel! Denk an die Palmen!“