Wer wird Wortmanns Nachfolger?

von Redaktion

Den MVG-Chef zieht es nach Oberhausen – Anspruchsvolle Aufgabe zu vergeben

MVG-Chef Ingo Wortmann geht von München in die Ruhrgebietsstadt Oberhausen. © M. Schlaf

Dieses Wortspiel liegt nahe: Hat sich Ingo Wortmann, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), selbst aufs Abstellgleis manövriert? Am Dienstagabend gab der 56-Jährige bekannt, dass er die MVG zum 31. Juli verlassen wird. Er gibt einen gut dotierten Job (knapp 400 000 Euro Jahressalär inklusive Erfolgsprämien) auf und übernimmt die wesentlich kleineren Stadtwerke in der Ruhrgebietsstadt Oberhausen (210 000 Einwohner). Dort wird Wortmann Chef über Busse und eine Trambahnlinie.

Der Lückenschluss einer Straßenbahnlinie, Betriebshof-Bau und E-Bus-Kauf würden seine ersten Aufgaben in Oberhausen sein, sagte Wortmann. Für den Wechsel nennt der gebürtige Wuppertaler persönliche Gründe, er will sich offenbar auch um ein erkranktes Familienmitglied kümmern. Aber: So richtig harmonisch war das Verhältnis zwischen MVG-Chef und Aufsichtsrat nicht mehr. Auch zwischen Wortmann und OB Dieter Reiter soll es Reibereien gegeben haben. Die Verlängerung von Wortmanns Vertrag wäre demnächst angestanden, nicht wenige im Aufsichtsrat hätten ihm keine weitere Amtszeit spendiert, so heißt es.

Ein Vertrauensverhältnis, wie es einst OB Christian Ude mit „seinem“ MVG-Chef Herbert König erreicht hatte, gab es zwischen Reiter und Wortmann jedenfalls nicht ansatzweise, so ein Beobachter. Zuletzt war die Abwesenheit Reiters bei zwei Tram-Spatenstichen vielsagend. Branchenkenner werfen der Stadtspitze vor, den Ausbau des ÖPNV nicht mit Herzblut zu betreiben. Auf der Habenseite von Wortmann stehen immerhin zwei Tram-Neubaustrecken – die Westtangente und Schwabing Nord-Neufreimann, der barrierefreie Ausbau vieler Haltestellen und der Ausbau des Tramnetzes für sechsteilige Fahrzeuge mit über 50 Metern Länge. Ungelöst blieb der schon lange verfolgte Bau des Betriebshofs Ständlerstraße – da nun neue vierteilige Avenio-Trams nach und nach eintreffen (73 sind bestellt), wird es mit Abstellung und Wartung immer enger.

Ein Nachfolger steht noch nicht fest, eine Entscheidung vor der Kommunalwahl am 8. März gilt als ausgeschlossen. Die Vergabe des Postens wird mit Sicherheit in Koalitionsverhandlungen eine Rolle spielen. Eine Ausschreibung wird‘s geben, gesucht wird ein Mann oder eine Frau vom Fach. Wortmann selbst war vor seiner Münchner Zeit übrigens Verkehrschef in Dresden und Ulm/Neu-Ulm. Der jetzige MVV-Chef Bernd Rosenbusch war zuvor bei DB und BRB, der Arverio-Chef Fabian Amini kam über DB und BRB zu dem Regionalbahnbetreiber und hat das Unternehmen schon wieder Richtung Berlin verlassen. Nicht ausgeschlossen auch, dass ein Berliner DB-Manager Lust auf München bekommt. DB-Chefin Evelyn Palla hat angekündigt, 1000 Stellen in der Konzernleitung zu streichen… SASCHA KAROWSKI, DIRK WALTER

Artikel 4 von 7