Da fehlt doch was

von Redaktion

Warum die MVG insgesamt 200 Fahrkartenautomaten abbaut

Aus vier mach eins: Am Max-Weber-Platz sind drei Automaten verschwunden. © D. Matkovic

Schwund im Untergrund: Auf den Beton-Sockeln, auf denen früher vier Fahrkarten-Automaten standen, gibt es jetzt nur noch einen – der Rest des Fundaments bleibt frei. Das Foto ist im U-Bahnhof Max-Weber-Platz entstanden – ein Leser unserer Zeitung hat es aufgenommen.

Kein Einzelfall: Bereits seit rund einem Jahr baut die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) an Haltestellen Fahrscheinautomaten ab. Insgesamt sind in ganz München etwa 200 Geräte betroffen. Dabei handelt es sich um „stationäre, redundante Automaten“. Bedeutet: Der Rückbau betrifft Bereiche, in denen zwei oder mehrere Geräte nebeneinanderstehen. Weiterhin soll es jedoch an jedem Abgang mindestens einen Automaten geben, an stark frequentierten Bahnhöfen auch mehrere.

Die MVG will damit auf die gestiegene Kundennachfrage nach digitalen Tickets reagieren, heißt es auf Anfrage. Also: Weil immer mehr Leute mit digitalen Handy-Tickets unterwegs sind, kaufen immer weniger Leute Papier-Fahrkarten. Deswegen rentiert es sich nicht mehr, viele Automaten zu betreiben.

Der Anteil der von der MVG verkauften Handytickets erreichte im vergangenen Jahr 54 Prozent – ein Rekordhoch. Auch im Gelegenheitssegment (etwa Einzelfahrkarten) liegt der Anteil an digitalen Tickets schon bei 38 Prozent. Mit Einführung der MVGO-App und von MVG Swipe (ein digitales Angebot, das automatisch die gefahrene Strecke erfasst und den günstigsten Preis ermittelt) hat die MVG digitale Produkte im Angebot.

Zudem nutzen immer mehr Menschen ein Abo (bei der MVG gibt es dieses nur noch digital oder mit Chip) – im vergangenen Jahr waren es rund 600 000 Nutzer. Ebenfalls Rekord. Beigetragen dazu hat vor allem das Deutschlandticket, das rund 80 Prozent aller abgeschlossenen MVG-Abos ausmachte. Gleichzeitig nutzen auch viele innerdeutsche Touristen ihr Deutschlandticket.

All das führt dazu, dass die Verkäufe an Automaten zurückgehen. Indem die MVG Geräte abbaut, spart sie Geld – denn Betrieb und Wartung sind teuer. Wie viel die MVG dafür konkret aufwendet, könne man nicht öffentlich mitteilen, heißt es auf Anfrage.

Vor diesem Hintergrund zeigt auch Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn Verständnis – schränkt aber ein: „Dann muss man dafür sorgen, dass diese Automaten auch immer funktionieren und Reparaturen schnell erfolgen.“ Denn was passiert, wenn es an einer Stelle nur noch ein Gerät gibt und dieses ausfällt? Dafür müssten Lösungen gefunden werden, sagt Barth. Niemand dürfe zum Schwarzfahren gezwungen werden, weil es keine Möglichkeit gibt, ein Ticket zu kaufen. Denn nicht jeder habe ein Handy – und Apps funktionierten nicht immer störungsfrei.

Von der MVG heißt es dazu, dass es weiterhin an jedem Bahnhofskopf mindestens einen Automaten geben werde – es gebe also Ausweichmöglichkeiten, wenn auch mitunter mit Umwegen. Alternativ rät die MVG dazu, Tickets auf Vorrat zu kaufen.J. LIMMER, D. POHL

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