Attentäter Farhad N. (25) vor Gericht. © Jantz
Ein Bild der Verwüstung: Die Straße am Tag des Grauens. Zwei Menschen wurden bei dem Attentat getötet, zahlreiche verletzt. © Yannick Thedens
Fünfter Prozesstag gegen Attentäter Farhad N. (25) – und das Grauen nimmt kein Ende. Demonstrations-Teilnehmer und Polizisten schildern die schrecklichen Szenen, als der Afghane am 13. Februar 2025 in die verdi-Versammlung raste.
„Aus dem Augenwinkel sah ich, dass er heranfuhr – um Haaresbreite an mir vorbei, von hinten in die Menge rein“, sagt Brigitte I., die unter den 1400 Demonstranten ganz hinten lief. „Als Nächstes hörte ich einen dumpfen Aufschlag.“ Der weiße Mini Cooper hatte Amel S. (37) und ihre Tochter Hafsa (2) getroffen. „Sie wurden in die Luft geschleudert.“
Szenen, die das Leben der Zeugin für immer prägen werden – weinend beschreibt sie, wie Körper das Attentäter-Auto abgebremst hätten. „Aber der Fahrer gab weiter Gas. Vor dem Mini bildete sich ein riesiges Menschenknäuel.“
Ein zweiter Demonstrant berichtet, wie ein Schuss fiel, nachdem er mitgeholfen hatte, das Auto wieder aufzustellen. „Ich war auf Höhe des Hinterrades. Überall Verletzte. Ich dachte erst, der Attentäter sei erschossen worden.“ Doch die Polizei holte Farhad N. mit der Pistole aus dem Mini. „Da wusste ich, es ist kein Unfall gewesen.“ Terror in München – das sei „unvorstellbar“ gewesen.
Der Anblick des Aufpralls, die Schreie der Verletzten: „Das werde ich nie vergessen“, sagt Polizist Fabian Z. (27). Er fuhr im letzten Einsatzwagen, an dem der Attentäter „mit Vollgas“ vorbeigerast war.
Polizist Leo H. (24) hatte Farhad N. aus dem Mini geholt: Die Menschen ringsum „wollten an ihn ran, haben ihn beleidigt“, sagt der Beamte. „Es fielen Schimpfworte.“ Dann habe er gehört: „Lasst ihn uns lynchen!“ Das verhinderte der Polizist – mit Kollegen trug er N. in einen Hinterhof, dann in eine Unterführung – ohne jeden Widerstand. „Ya Allah“, schreit der Afghane in einem Video, das vor Gericht gezeigt wird. Zu Deutsch: „Oh Gott.“ Religiöse Motive unterstellt ihm die Anklage – und geht von gezieltem Mord aus. Am 11. Februar wird der Prozess fortgesetzt. THI, TG