Jesuit ging für die Freiheit in den Tod

von Redaktion

Pater Delp wurde von den Nazis hingerichtet – Seligsprechungsverfahren beginnt

Der Jesuit Alfred Delp 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin-Plötzensee. © KNA-Archiv

Wäre er aus dem Jesuitenorden ausgetreten, dann wäre er vielleicht freigekommen. Doch für Alfred Delp war dieses vergiftete Angebot der Nazis keine Alternative. Er lehnte es entschieden ab.

Am 2. Februar 1945 wurde der mutige Ordensmann, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet und zum „Kreisauer Kreis“ um den Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke gehört hatte, in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee gehängt. Seine Asche wurde auf den Rieselfeldern zerstreut. Nichts sollte von ihm übrigbleiben.

Doch die Erinnerung an den Jesuiten, der von 1941 bis zu seiner Verhaftung Ende Juli 1944 Kirchenrektor der Gemeinde St. Georg in München-Bogenhausen und zuvor Redakteur bei der in München erscheinenden Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“ gewesen war, konnten die Nazis nicht ersticken. 81 Jahre nach seiner Hinrichtung am Fest Mariä Lichtmess wird der Münchner Kardinal Reinhard Marx am Montag um 18 Uhr im Münchner Liebfrauendom das Seligsprechungsverfahren für den Mann eröffnen, der für seinen Glauben gestorben ist.

Kardinal Marx würdigt die Haltung des Paters als „eine provozierende und zuversichtliche Botschaft auch für unsere Tage – gegen menschenverachtende Allmachtsfantasien, gegen Kriege und Ungerechtigkeit“. Pater Delp habe sich nicht „in eine Art Himmelreich-Sehnsucht geflüchtet“, sondern „stand vielmehr fest im Leben, war ein sehr wacher Zeitgenosse, der wusste, dass die Welt durch die Menschenverachtung der Nazis an den Abgrund geraten war“.

Das Seligsprechungsverfahren beginne in dem Bewusstsein, „dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen“. Ihnen stelle das Christentum entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Delp sei für die Nationalsozialisten mit seiner christlichen Überzeugung von der Freiheit und der Würde aller Menschen eine solche Bedrohung gewesen, dass er festgenommen und hingerichtet worden sei.

Trotz schlimmster Haftbedingungen hat Delp zum Teil mit gefesselten Händen Texte und Briefe geschrieben, die bis heute die Menschen berühren. In seinem letzten Brief an seine Freunde schrieb er: „Wenn der Herrgott diesen Weg will – und alles Sichtbare deutet darauf hin – dann muss ich ihn freiwillig und ohne Erbitterung gehen. Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“

Für das Seligsprechungsverfahren sind über Jahre alle Schriften, Dokumente und Briefe von Alfred Delp zusammengetragen worden. Diese werden in einem Prozess, der mehrere Jahre dauern kann, ausgewertet.

Informationen über das Leben und Wirken von Pater Delp, die für das Seligsprechungsverfahren nützlich sind, können per Post an das Erzbischöfliche Ordinariat, Fachreferent für Seligsprechungsverfahren, Johannes Modesto, Postfach 33 03 60, 80063 München, geschickt werden.CLAUDIA MÖLLERS

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