Geht in den Arbeitskampf: Tram-Fahrer Michael Baumann (42) kämpft heute für bessere Arbeitsbedingungen. © Michaela Stache
Michael Baumann ist einer der Ersten. Mitten in der Nacht, pünktlich um 3.30 Uhr, steht er heute in Fröttmaning an der Technischen Basis der U-Bahn. Dort ist einer der sechs Streikposten in München, an denen sich Tram-, U-Bahn- und Busfahrer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) treffen. Denn die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Nahverkehr zum Streik aufgerufen.
Für Michael Baumann war sofort klar: „Selbstverständlich bin ich dabei. Auch, wenn ich eigentlich lieber fahren würde als zu streiken.“ Der 42-Jährige ist seit sechseinhalb Jahren Tram-Fahrer bei der MVG. Er streikt zum einen für mehr Gehalt. 668,75 Euro zusätzlich fordert die Gewerkschaft. „Die Summe ist kein Zufallswert, sondern eine Angleichung an die Löhne in Baden-Württemberg“, erklärt Baumann.
Zum anderen geht es ihm aber auch um bessere Arbeitsbedingungen. „Der Verkehr wird immer mehr, die Arbeit ist anstrengend“, sagt er. Die Gewerkschaft will eine Reduzierung der Arbeitszeit auf wöchentlich 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich und eine verpflichtende Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Schichten. Forderungen, die Baumann, der ebenfalls im Schichtbetrieb arbeitet, voll unterstützt. „Da geht es auch um Sicherheit, wir wollen unsere Arbeit gut machen“, betont er.
Als Lehrfahrer ist Baumann auch für die Einarbeitung neuer Kollegen zuständig. Und er sieht, wie viele von ihnen nach kurzer Zeit wieder gehen. Sein Eindruck: „Nach einem Jahr ist nur noch die Hälfte da“, berichtet er. „Viele hören zum Beispiel wieder auf, weil sie Familie und Arbeit nicht unter einen Hut bringen.“ Deshalb betont Baumann: „Ich streike auch für bessere Bedingungen für die Fahrgäste.“ Denn: „Züge fallen aus, weil es zu wenig Fahrer gibt, und auch die Werkstätten sind unterbesetzt.“
Für ihn war Aufhören nie eine Option. „Mein Beruf macht mich glücklich.“ Der Obermenzinger lebt damit seinen Kindheitstraum. „Ich erlebe, wie die Stadt am Morgen aufwacht und am Abend wieder schlafen geht“, erzählt er. „Und ich sehe, wie sich die Stadt im Laufe der Zeit verändert.“ Und gerade, weil er seinen Beruf so gern mag, steht Baumann heute am Streikposten. „Ich kann nur hoffen, dass wir mit den Arbeitgebern schnell zu einer guten Lösung kommen“, sagt er. „Mir tut es auch leid für die Fahrgäste. Aber ich denke, dass viele für den Streik Verständnis haben.“CLAUDIA SCHURI