Langsam macht sich Aufregung breit. Heute gehen sie los, die Olympischen Winterspiele. Also offiziell noch nicht, aber schleichend. Wobei das auch nicht richtig ist, denn so ein Abfahrtstraining der Herren, die heute schon den Hang testen, ist alles andere als schleichend. Die Eröffnungsfeier ist ja erst am Freitag. Bis dahin gibt es aber schon offizielle Trainings und Vorrundenentscheidungen, wie zum Beispiel Curling, Rennrodeln, Damen-Eishockey, Skispringen der Damen und noch mehr.
Ich freu mich, dass die Spiele in Italien stattfinden, dann kann man wenigstens zu einer für uns deutschen Fans absolut annehmbaren Zeit mitfiebern. Eigentlich sind diese Spiele an Mailand vergeben worden, aber gefühlstechnisch finden sie in Cortina D´Ampezzo statt. Dieser Ort ist im Gegensatz zu vielem anderen nicht „mitgewachsen“. Ein Ort auf zwölfhundert Meter mit knapp fünftausendfünfhundert Einwohnern, sogar ein paar weniger als 1956. Noch mit den gleichen engen Zufahrtsstraßen wie damals und keiner Zuganbindung.
Auch wenn man nicht selbst vor Ort in Italien dabei sein kann, kann man doch irgendwie ganz nah dran sein. Dieses Gefühl verdanke ich Rosi Mittermeier und Christian Neureuther. Die beiden haben Ende der Siebzigerjahre ihre Skigymnastik im Fernsehen gezeigt und meine Muttl und ich haben immer mitgemacht. Wir sind so einige Abfahrten in der Hocke runtergeprescht und Slalomhänge runtergewedelt und ich kann Ihnen sagen, dass mir schon alleine bei diesem Trockentraining die Oberschenkel so dermaßen gebrannt haben, dass ich gar nicht wissen möchte, wie es mir auf der echten Piste gegangen wäre. Aber solche Übungen bringen einem diesen Sport einfach näher.
Und so überlege ich mir, wie ich bei den wichtigsten Disziplinen auf ähnliche Weise dabei sein kann: Skispringen – aus der Hocke springen und im Telemark landen. Die Flugstrecke muss man sich denken. Curling – Bewegung wie beim Bowling und einen größeren Softball an ein von uns bestimmtes Ziel schieben. Eistanz – da muss mein Mann herhalten und wir tanzen einfach zur Musik. Eiskunstlauf wird schwieriger, weil der mittlerweile nur noch dreifache gesprungene Lutz und geworfene Figuren aufgrund diverser körperlicher „Defizite“ nicht mehr möglich ist. Bobfahren – da werden wir uns je nach Anzahl der Familienmitglieder hintereinander setzen, uns in die Kurven legen und lauthals „Wir fahren mit dem Bob“ singen. Beim Skeleton Mixed-Team wird es mein Mann im wahrsten Sinne des Wortes schwer haben. Biathlon –wir laufen kilometerweit in der Wohnung, bis wir am „Schießstand“ ankommen, und werden dann die Schüsse mit Bällen in ein wie auch immer geartetes Ziel nachahmen. Eishockey – ginge vielleicht mit Golfschlägern und Golfbällen. Die neue Disziplin Ski Mountaineering (Skitourengehen) stellen wir am Perlacher Muggl nach. Allerdings ohne Ski. Wir werden in Maßen „mitkämpfen“, wir wollen ja nicht verletzungsbedingt aufgeben müssen.
Wir halten die 16 Tage durch. Bin schon gespannt, wie die Medaillen bei unseren „Olympischen Wohnzimmer-Spielen“ vergeben werden.
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