Schmiede für die Superhirne

von Redaktion

Großer Festakt zum 200. Jubiläum der Ludwig-Maximilians-Universität

Matthias Tschöp, LMU-Präsident, mit Ministerpräsident Markus Söder (re.). © Götzfried

Die Große Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt: ein Blick ins Publikum beim Festakt der LMU. © Michael Tinnefeld, api

Dem neuen Präsidenten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) verdanken wahrscheinlich Millionen Adipositas-Patienten neue Hoffnung. Nur ist es nicht sehr bekannt, dass Professor Matthias Tschöp die Abnehmspritze mitentwickelt hat. Der auf diesem Gebiet weltweit führende Münchner Mediziner wird aber seine Forschungen künftig kaum mehr so intensiv weiter betreiben können wie bisher, denn seit Oktober leitet er die LMU, die größte Uni Bayerns. Am Dienstag wurde er mit einem Festakt offiziell in sein Amt eingeführt und zugleich der 200. Jahrestag der LMU in München gefeiert. Die Große Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Professoren und Rektoren, Freunden und Förderern der LMU, darunter etwa Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber, TU-Chef Thomas Hofmann, Tschöps Amtsvorgänger Bernd Huber und der Chef des Hauses Wittelsbach, Franz von Bayern.

Es werde wahrscheinlich der erste und letzte Mal sein, das er Matthias Tschöp mit „Magnifizenz“ anrede, sagt der Moderator des Abends, Vizepräsident Armin Nassehi, in seiner Begrüßung schmunzelnd. Man merkte gleich: Die formelle Achtung von Titeln und Hierarchien ist im neuen Präsidium der LMU, das aus nicht weniger als zehn Vizepräsidenten besteht, nicht so wichtig. Man agiert kollegial und auf Augenhöhe. „An der LMU gibt es nicht wichtige und unwichtige Fächer“, sagte Tschöp, ausgestattet mit der traditionellen Amtskette, in seine Rede, die er als Hymne an die Wissenschaftsfreiheit konzipierte. Weder dürfe Wissenschaft auf schnelle Ergebnisse getrimmt werden noch könnten Erfolge gar vom Staat vorgegeben oder vorab geplant werden. „Beste Köpfe brauchen nicht nur Geld, sie brauchen Spielräume.“ Freie Grundlagenforschung sei nur an wenigen Orten der Welt möglich – „die LMU ist so ein Ort“. Fundamental Neues wie MRNA-Impfstoffe ebenso wie ChatGPT entstünden nicht durch eine „klare Verwertungslogik“.

Wer wollte, konnte das auch als Absage an autoritäre Wissenschaftssysteme wie China, künftig vielleicht auch USA, lesen. Und wie zur Bestätigung von Tschöps Ausführungen erwähnte Ferenc Krausz, LMU-Professor und Nobelpreisträger für Physik von 2023, in einer Talkrunde über „Wozu Universitäten?“, dass sein Team vor der Bekanntgabe der bahnbrechenden Forschungen zur atomaren Bewegung von Elektronen fünf Jahre nichts publiziert habe – was selten sei. Freie Forschung benötige „Nachhaltigkeit“. Eben dies werde der Freistaat auch künftig garantieren, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der die LMU als „universitäres Flaggschiff“ bezeichnete. Die Unis in Bayern hätten für die Politik „Top-Priorität“. Wissenschaft und Technik seien die einzige Chance, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Mit gewissem Stolz erwähnte Söder den bayerischen Weg, Milliarden in die Hightech-Agenda mit Biotechnik, Robotik sowie Luft- und Raumfahrt zu pumpen. Er werde diesen Weg fortsetzen.D. WALTER

Artikel 8 von 11