Die Synagoge im Herzen der Stadt. © Jens Hartmann
Dieser Vorfall macht einfach nur fassungslos: Münchens Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat am Donnerstag einen schockierenden Drohbrief bekommen. In einem wattierten Kuvert, das gegen 12.15 Uhr mit der Post kam, fand sich nicht nur ein Schreiben mit Drohungen gegen Juden, sondern auch eine Pistolen-Patrone. Eine unverhohlene Todesdrohung!
Yehoshua Chmiel, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte unserer Zeitung: „Wir erhalten im Jahr weit über 100 Drohbriefe – aber eine scharfe Patrone ist zuvor noch nie beigelegen.“
Am Donnerstagmittag hatte zunächst der Sicherheitsdienst der Kultusgemeinde die Sendung überprüft. Dann rief die IKG die Polizei – die Beamten stellten den Brief als Beweismittel sicher. Jetzt ermittelt das Dezernat für Staatsschutzdelikte. Zu weiteren Hintergründen des Schreibens und dem Motiv des zunächst unbekannten Absenders hält sich die Polizei bisher aus ermittlungstaktischen Gründen bedeckt. In einer Hinsicht gibt eine Polizeisprecherin jedoch Entwarnung: „Eine derzeitige Bedrohung der Einrichtung können wir ausschließen.“
Yehoshua Chmiel von der IKG warnt aber vor einem tieferliegenden Problem. Seine Erfahrung aus dem Alltag: „Das Erschreckende ist die Normalität, mit der die Gesellschaft den Antisemitismus aufnimmt. Wir leben täglich damit. Schlimm ist auch, was in den sozialen Medien geschrieben wird. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen mehr Zivilcourage zeigen, wenn sich antisemitisch geäußert wird.“CLAUDIA SCHURI