Wie marode ist das Rathaus?

von Redaktion

Stadt stellt Schutzgerüst auf – Ziegel haben Frostschäden

Im Innenhof des Rathauses wird das Baureferat von Jeanne-Marie Ehbauer zum Schutz vor herabfallenden Ziegeln Gerüste aufstellen. © Marcus Schlaf (3)

Das Neue Rathaus auf dem Marienplatz. Das Gebäude muss saniert werden.

Droht Münchens Rathaus der Einsturz? Wie unsere Redaktion erfahren hat, werden ab kommendem Montag Gerüste aufgestellt. In einem internen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: Das Baureferat werde die Gerüste im großen Wirtschaftshof an der Wandfläche zu den Sitzungssälen und Schutzgerüste im Apotheken- und Pförtnerhof errichten. Und weiter: „Dabei handelt es sich um Sicherungsmaßnahmen für das Dach – auf unbestimmte Zeit.“

Klingt dramatisch, ist letztlich aber alles halb so schlimm, wie ein Sprecher des Baureferates auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Tatsächlich haben einige Ziegel Frostschäden. Um sowohl die Wände als auch etwaige Passanten vor herabfallenden Stücken zu schützen, wird jetzt die Sicherung aufgebaut. „Im Frühjahr erfolgt dann die abschnittsweise Sanierung des Daches“, so der Sprecher.

Das Rathaus heißt zwar offiziell das Neue Rathaus, doch buchstäblich ist der neogotische Bau ziemlich in die Jahre gekommen, immerhin steht er schon seit 120 Jahren. Das Gebäude wies bereits vor zwei Jahren deutliche Alterserscheinungen auf. Eine umfassende Sanierung war für 2027 geplant, doch die Arbeiten wurden zwischenzeitlich bis ins Jahr 2032 verschoben. Hintergrund war, dass ein Teil der Arbeiten bereits erledigt werden soll, bevor die Hauptarbeiten angegangen werden. Dann soll das Rathaus komplett geräumt werden. So soll die Bauzeit um die Hälfte, die Baukosten um 30 Prozent reduziert werden.

Klar ist: Die historische Fassade des Rathauses bröckelt, das Dach über der prachtvollen Juristischen Bibliothek hat massive Schäden. Die Technik ist veraltet, der Brandschutz genauso, die letzten größeren Instandsetzungen gab’s 1984.

Die dringlichsten Arbeiten werden in einem Sofortprogramm (zehn Millionen Euro) angegangen. Der große Rest folgt in sechs Jahren: neue Lüftung, Wasserrohre, Heizung, neue Fenster, Abdichtungen, neue Lastenaufzüge, Teeküchen, mehr Barrierefreiheit. Ab 2032 werden dafür alle 600 Mitarbeitenden aus dem Rathaus ausziehen. Auch der berühmte Ratskeller im Untergeschoss wird saniert.

Die Verwaltung könnte dann in andere städtische Gebäude ziehen, zum Beispiel das an der Herzog-Wilhelm-Straße. Die Sitzungen des Stadtrats könnten im Alten Rathaus stattfinden – oder in einem angemieteten Raum in zentraler Lage. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Verwaltung fünf bis sechs Jahre dauern. Insgesamt kostet die Sanierung etwa 150 Millionen Euro.SASCHA KAROWSKI

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