„Mein einziger Fehler“

von Redaktion

Worte des Verdi-Attentäters nach Anschlag

Attentäter Farhad N. (25) verdeckt sein Gesicht im Oberlandesgericht. © SIGI JANTZ

Gellende Schmerzensschreie, der stechende Geruch des überhitzten Motors – und überall Verletzte. Die Eindrücke, die sich Polizisten am 13. Februar 2025 in der Seidlstraße boten, werden etliche Beamte wohl nie mehr vergessen. Farhad N. (25) war dort mit seinem Mini Cooper in die Menschenmenge gerast. Im Terror-Prozess gegen den Auto-Attentäter sagten gestern erneut Beamte aus – und brachten schockierende Erkenntnisse zu dem tödlichen Anschlag.

„Der halbe Kreuzungsbereich lag voll mit Verletzten“, berichtet ein Polizist, der die Verdi-Demo mit rund 1400 Teilnehmern an diesem Tag begleiten sollte. „Es waren viele Familien mit Kindern da. Plötzlich kam der Funkspruch: ‚Fahrzeug in Menschenmenge‘.“ Panisch liefen Menschen in Richtung des Beamten, der hinter der Demo am Stiglmaierplatz positioniert war – er aber sprintete zum Täter-Fahrzeug. „Die Panik schlug in Wut über, manche haben versucht, über das Auto zu klettern oder filmten.“ Ringsherum etliche Verletzte, unter und neben dem demolierten Mini Cooper. Videos, die im Verhandlungssaal gezeigt werden, dokumentieren die Brutalität des Anschlags.

Die Polizisten versuchten, Schwerverletzte zu finden, die bewusstlos oder in Lebensgefahr waren. Andere Beamte versuchten, zum Täter zu kommen: „Es gab Menschen mit abstehenden Beinen. Wir sind aber erst mal zum Fahrzeug“, berichtet ein Polizist des Unterstützungskommandos (USK). Nachdem Beamte den Täter aus dem Mini gezogen hatten und fesselten, war Farhad N. zunächst bewusstlos. Wie aus dem Nichts sei Farhad dann aufgewacht. „Er fing direkt an zu schreien.“ Minutenlag, auf Arabisch – es sind religiöse, fanatische Worte, wie Videos zeigen.

Tobias S. (25) brachte den Attentäter mit seiner Einsatzgruppe in die Klinik. „Alle möglichen Geräte wurden an ihn angeschlossen“, sagt der Polizist. Schließlich wurde entschieden: Farhad N. ist haftfähig. Die Polizisten brachten ihn nach Stadelheim. „Unterwegs sagte er plötzlich auf deutsch: ‚Ich habe nur einen Fehler in meinem Leben gemacht: das gerade‘“; schildert der Polizist. Gemeint war der Anschlag. „War das sein exakter Wortlaut?“, will Richter Michael Höhne wissen. „Ja“, bestätigt der Beamte. Ein entscheidender Moment im Prozess. Denn bislang schwieg N. zu den Tatvorwürfen. Ein Gutachter bestätigte gestern zudem: „Mir hat er gesagt, dass er die Hand auf den Koran legte – und dann losfuhr.“ Heute wird die Verhandlung fortgesetzt.A. THIEME

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