Die grausigen Spuren des Anschlags

von Redaktion

Terror-Prozess: Gedenken zum Jahrestag

Der demolierte Mini-Cooper hinterließ ein Trümmerfeld in der Seidlstraße. © Yannick Thedens

Der pinkfarbene Schnuller ist das Letzte, was von der kleinen Hafsa (2) blieb – Attentäter Farhad M. (25) hatte das Mädchen und ihre Mutter vor einem Jahr mit seinem Auto getötet. „Ein meterweites Trümmerfeld“ habe sich nach dem Anschlag in der Seidlstraße ergeben, sagt nun eine Ermittlerin vor Gericht – ihre Aufgabe war es, die Spuren vor Ort zu sichern.

Experten unterteilen die Fundstücke in Asservate. Nummer 2.35 ist Hafsas Schnuller. Er lag auf dem rechten Scheinwerfer des demolierten Mini Cooper, mit dem der Attentäter absichtlich in die Verdi-Demo gefahren war. Ringsherum: der schwarze Kinderwagen – komplett zerquetscht vom Aufprall. Ein Kinderbuch neben einer Blutlache. Und ein pinker Gehörschutz. Es sind Bilder, die die Angehörigen innerlich zerreißen mögen. Die Polizistin vor Gericht aber spricht im ruhigen Behördenton über die Fakten des Anschlags. Ein Handschuh unter dem Scheibenwischer, eine Wollmütze auf dem Dach, Teile einer Brille auf dem Asphalt, ein einzelner Schuh auf dem Bürgersteig: Es sind die Bilder des Terrors, die nun festgehalten werden, am siebten Prozesstag vor dem Oberlandesgericht. Harte Arbeit für die Spurensicherung, die sich an Tatorten auskennt – den Schrecken dokumentiert.

1140 Kilogramm schwer war der Mini demnach, Baujahr 2009. Die Windschutzscheibe „großflächig gesplittert“, die Motorhaube „wellenförmig aufgeschoben“, der rechte Radkasten „in Teilen abgesplittert“ – 43 Menschen wurden durch den Aufprall verletzt, zwei starben. Der zweite Gang war noch eingelegt, sagt die Ermittlerin. Selbst als die Motorhaube in der Luft stand, hatte der Täter weiter Gas gegeben. Gegenstände, Körper bremsten ihn.

Heute ist der Anschlag ein Jahr her. Für 13 Uhr ist in der Seidlstraße ein Gedenken geplant. Am Jahrestag verhandelt das Gericht trotzdem weiter, jedoch ohne beteiligte Zeugen. Geplant ist ab 9.30 Uhr die Aussage des Unfallgutachters. ANDREAS THIEME

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