Freuen sich auf ehemalige Gäste: die Donisl-Wirte Peter Reichert und Franziska Kohlpaintner. © Marcus Schlaf, Peter Wieser
Narrisches Treiben: Auch im Hofbräuhaus (Foto) und anderen Wirtshäusern geht ordentlich die Post ab. © Hofbräuhaus
Legendär: So beschreibt Peter Wieser die beliebten Faschingspartys in seinem Ratskeller, wo an einem Abend teilweise weit über 1000 Narren den Gewölbekeller zum Beben brachten. Ein bisschen wehmütig sei er schon, meint der ehemalige Wirt, dass der Faschings-Marathon im Ratskeller nicht mehr stattfinden könne. Erstmals seit 40 Jahren bleibt es dort in der fünften Jahreszeit dunkel. Wie berichtet, hat die Gastro-Institution am Marienplatz seit Dezember 2025 geschlossen.
Aber es gibt würdigen Ersatz direkt ums Eck! Denn die Betreiber des Donisl, das Wirte-Paar Peter Reichert und Franziska Kohlpaintner, haben keine Kosten und Mühen gescheut, um mit den fröhlichen Narren rauschende Feste zu feiern. „Letztes Jahr war Premiere. Da haben wir das erste Mal gemeinsam mit den Marktkaufleuten und Schaustellern am Unsinnigen Donnerstag eine große Faschingsparty veranstaltet. Zusätzlich wird jetzt auch noch am Rosenmontag und am Faschingsdienstag gefeiert“, sagt Kohlpaintner. Das lässt sich auch Wieser, der mit ein paar narrischen Tipps zur Seite stand, nicht nehmen: „Wir schauen auch mal vorbei“, sagt er. Und weil Verkleidung an Fasching Pflicht ist, schmeißen sich die Ratskeller-Leute kurzerhand in ihre alte Kochkleidung. Echte Profis eben.
Anfang der Woche erreicht der Wirtshausfasching in der Münchner Innenstadt seinen Höhepunkt. Bei Live-Musik, Weißwurstkrapfen und frisch Gezapftem lässt es sich gut schunkeln. Traditionsgemäß locken einige Wirtshäuser mit vergünstigten Angeboten. Nach altem Brauch wird die Weißwurst am Vormittag des Rosenmontags bei einigen Innenstadtwirten für einen Euro serviert (darunter Spöckmeier, Altes Hackerhaus, Klosterwirt, Hofbräuhaus). Etwas tiefer in die Tasche greifen müssen die Narren für die neueste Kreation der Innenstadtwirte und der Conditorei Kreutzkamm – der Weißwurstkrapfen kostet 6,66 Euro.
Der Begriff Wirtshausfasching wurde in Anlehnung an die Wirtshaus-Wiesn vom Gaststättenverband Dehoga und den Innenstadtwirten etabliert, um das traditionelle Faschingstreiben wieder in die Gaststätten zu bringen, die Faschingskultur zu stärken und eine Brücke zwischen Tradition und moderner Unterhaltung zu schlagen.
Von der Schlagerparty im Alten Hackerhaus über zünftige Klänge in der Hofbräuhaus-Schwemme, bis hin zu coolen DJ-Rhythmen im Augustiner am Platzl oder im Zum Straubinger – in diesen Tagen heißt es: einfach treiben lassen und genießen! Und wer vor dem Zapfenstreich noch mal richtig aufdrehen will, der kann am Faschingsdienstag eine der zahlreichen Kehraus-Partys besuchen, zum Beispiel im Augustiner-Keller, wo es Rock‘n‘Roll mit den Cagey Strings gibt. DANIELA POHL