Der Tag, an dem unser Herz brach

von Redaktion

Ein Jahr nach dem Anschlag auf die Verdi-Demo: Gedenkfeier in der Seidlstraße

Bürgermeister Dominik Krause legte einen Kranz am Tatort in der Seidlstraße nieder.

Attentäter Farhad N. war mit seinem Mini am 13. Februar 2025 ungebremst in die Verdi-Demo gerast. © Yannick Thedens

„Wir werden Euch nie vergessen:“ Zahlreiche Menschen versammelten sich am Freitag zum Gedenken an die beiden Todesopfer und die Verletzten. Viele Demo-Teilnehmer leiden auch heute noch seelisch. © Marcus Schlaf (2)

Der Name Amel steht für Hoffnung, Hafsa bedeutet kleine Löwin. Mutter und Tochter verloren auf schreckliche Weise ihr Leben in der Seidlstraße, 44 weitere Menschen wurden teils schwerstverletzt.

Am Jahrestag des Auto-Anschlags gab es viele Tränen am früheren Tatort, den Hunderte am Freitag als Ort des Gedenkens nutzten. „Es ist ein Tag, der München veränderte“, sagte Bürgermeister Dominik Krause (Grüne). Der Schmerz sei nicht gegangen. „Für manche beginnt er immer noch jeden Tag neu.“ Denn etliche Teilnehmer der Verdi-Demo vom Februar 2025 leiden bis heute: körperlich und seelisch. „Der Weg heute für Sie war ein schwerer“, richtete Krause emotionale Worte an die Betroffenen. „Umso mehr darf ich danken, dass Sie gekommen sind.“

Für manche sei das Erlebte „zum täglichen Kampf geworden“, betonte Krause. „Ich wünsche Ihnen unendliche Kraft für die Genesung.“ Doch die Heilung wird dauern – auch, weil es noch nicht möglich ist, abzuschließen. Bis Ende August wird das Oberlandesgericht München gegen Attentäter Farhad N. (25) verhandeln. Etliche Betroffene müssen noch im Mordprozess aussagen – über die dramatischen Szenen an diesem Tag. „Stärke“ wünschte der Bürgermeister ihnen für die Aussagen als Zeugen. „Sie alle tragen eine sehr schwere Last.“

In der Seidlstraße stand am Freitag auch Bella H., eine Verdi-Angestellte. „Ich mache mir oft Gedanken um die Kollegen, viele sind schwer verletzt worden“, sagte die 62-Jährige. „Es ist eine traurige und beklemmende Zeit für uns alle.“ Es gebe einige Kollegen, „die heute noch mit dem Erlebten kämpfen“, betonte Claudia Weber, Geschäftsführerin bei Verdi München. Trotz allem Schmerz „verbindet uns die Solidarität“. Der Opfer, der Betroffenen und deren Familien wurde auch seitens der Landeshauptstadt gedacht. Vielfach wurde das Hilfsangebot gelobt – für viele Leidende war es eine Stütze. „Aber wir denken auch an die, die in der Not geholfen haben“, sagte Weber. Demonstranten und Passanten etwa, die Verletzte auf der Straße versorgt hatten. Auch sie tragen ihre Last. „Trauer braucht Schutz, Erinnerung braucht Würde“, erklärte Luise Klemens, Landesbezirksleiterin bei Verdi.

Und so waren trotz all der Trauer auch viele dankbar über einen Gedenkort, der bleiben wird: das Bankerl am Flaucher, für Amel und Hafsa, errichtet am Lieblingsort der Familie. „Wir werden Euch nie vergessen“, versprach Bürgermeister Dominik Krause. „Eure Namen bleiben in unserer Stadt.“ANDREAS THIEME

Artikel 7 von 10