Traurig über den Verlust ihrer Hühner: Uschi P.
Beim Beutezug aufgenommen: Die Wildkamera zeigt den Fuchs. © Hartmann, privat
Einzelne weiße Federn liegen noch im Gras. Uschi P. (64) sieht traurig in das eingezäunte Gehege in Trudering. Bis vor Kurzem liefen hier noch ihre Hühner Gocki und Susu fröhlich umher. Jetzt steht es leer. Denn ein Fuchs hat sich die beiden Tiere geholt! Besonders erstaunlich: Der Räuber schlug zunächst am helllichten Tag zu. In der Nacht kam er wieder und nahm seine Beute mit.
Den Schock hat die Münchnerin noch immer nicht ganz verdaut. Seit gut zwei Jahren hält sie nun Hühner. Sie wohnen bei ihrer Mutter im Garten. Täglich hat sie ihre Tiere besucht. „Wenn ich gekommen bin, sind sie mir schon entgegengelaufen“, erzählt sie. Im November erwischte es das erste der ursprünglich drei Federtiere. Der Sperber holte sich Rosalie. Die Hühner durften nämlich immer frei im Garten herumlaufen. Nach dem Vorfall hat die Münchnerin ein Netz großzügig übers Gehege gespannt, damit so etwas nicht noch einmal passiert.
Nur zwei Monate später – ausgerechnet an ihrem Geburtstag – kam allerdings schon der nächste Schlag. Als ihre Mutter sie gegen 11 Uhr anrief, vermutete sie nichts Schlimmes. „Sie war komplett durch den Wind“, sagt die 64-Jährige. Aufgeregt erklärte sie ihrer Tochter, dass ein Fuchs soeben beide Hühner gerissen habe. „Meine Mama versuchte, den Fuchs noch mit einem Stock zu vertreiben.“ Doch es war schon zu spät. Der Täter ist auf Aufnahmen der Wildkamera zu sehen, die seit Kurzem im Garten befestigt ist. Der Fuchs sei unter dem Netz durchgeschlüpft, obwohl es mit Haken am Boden befestigt war. „Ich hätte nicht gedacht, dass er da durchpasst“, sagt Uschi P. Danach muss er noch über den ein Meter hohen Zaun gesprungen sein.
Die Hühnerbesitzerin legte ihre beiden toten Tiere erst einmal auf den Kompost. Als es dunkel war, holte sich der Fuchs dann seine Beute. Auch das zeigen Fotos. Mittlerweile kommt der Jäger jede Nacht.
Etwa 3000 bis 4000 Füchse leben in München, wie das städtische Kreisverwaltungsreferat schätzt. „Mittlerweile gibt es in gut begrünten Stadtrandgebieten mehr Füchse als in den angrenzenden Wäldern“, sagt Martin Hänsel (59) vom Bund Naturschutz München. Er ist Leiter der Abteilung Biodiversität und Stadtklima. Füchsinnen könnten in offenen Schuppen oder angelehnten Gartenmöbeln meist ihre Jungen besser verstecken. Da der Fuchs ein Raubtier ist, sei es normal, dass er sich auch Hühner holt. „In Pasing haben Füchse schon einige Hasen mitgenommen“, erzählt Hänsel.
Füchse stellten aber keine Gefahr für den Menschen dar, solange man sie nicht aktiv füttert. „Sonst geht der natürliche Fluchtreflex verloren“, sagt Hänsel. Falls ein Fuchs Probleme mache, müsse er in letzter Instanz geschossen werden. Das sei aber selten. Uschi P. ist dagegen, den Fuchs zu erschießen. „Sie suchen sich nur neue Lebenräume und haben Hunger“, sagt sie. Ob sie noch einmal Hühner halten will, weiß sie aber noch nicht. Jetzt muss sie den Schock erst einmal verdauen. M. WANDINGER