MÜNCHNER FREIHEIT

Krapfn statt Brezn

von Redaktion

Struktur und Rituale sind alles, auch schon für Kinder. Deshalb war das Gespräch in der S-Bahn ein Segen für all diejenigen, die befürchten, Kinder bekämen zu wenig Struktur von ihren ach so liberalen Eltern. Eine Mama ging mit ihrer Tochter die Wochentage durch. Donnerstag sei zum Beispiel Garten-Omi-Tag, Freitag Fischstäbchen-Tag und dienstags sei ja Butterbrezn-Tag. „Am Faschingsdienstag ist dann aber Faschingsbrezn-Dienstag, oder?“, fragte die schlaue Tochter. Die halbe S-Bahn war innerlich vorbereitet, im Chor zu rufen: „Ja genau, richtig so, weil an Fasching wird ja alles auf den Kopf gestellt!“ Doch die Mutter blieb stoisch. „Nein, auch am Faschingsdienstag ist Butterbrezn-Tag“. Völlig zu Recht ging ein missmutiges Grummeln durch den Zug. Oder zumindest murmelte ich.

Denn bei aller Liebe zu Struktur und Gewohnheiten, die Antwort war natürlich falsch: Am heutigen Faschingsdienstag ist natürlich nicht Butterbrezn-Dienstag. Alles, außer gewöhnlich, ist das Motto! Von Kindern lässt sich da einiges lernen. Letzte Woche fuhr die ganze Klasse meiner Tochter jeden Tag nach einem neuen Motto in die Schule. Am Montag hieß es „bequem“ und meine Tochter radelte im Schlafanzug durch den Schneeregen, am Dienstag war das Motto „einfarbig!“ und Donnerstag und Freitag waren sie einfach so verkleidet, wie sie wollten. Als Clowns verkleidete Kinder, die sich, als wäre nichts, melden und rufen: „Die Gletscher im Alpenvorland bildeten die Münchner Schotterebene“, das ist schon lustig. Kinder können Fasching.

Als Erwachsener mit spannenden Büroritualen von „Mahlzeit! Einmal das Schnitzel bitte!“ über „Der Kopierer ist kaputt!“ bis „Schönen Feierabend!“ fällt es vielen schwer, an einem Tag alles auf links zu drehen. Und es fließt auch nicht in jeder Ader Faschingsblut. Ich erinnere mich, wie ich in den 90ern mit meinem Vater am S-Bahnhof stand und am Weiberfasching zwei verkleidete Frauen fröhlich mit Scheren auf wartende Männer zugingen, um ihnen die Krawatten abzuschneiden. Auf jeder Beerdigung, auf der ich seither war, war es lustiger.

Wie als Erwachsener zumindest ein bisschen Fasching feiern, auch wenn nicht jeder eine geborene Luftschlange ist? Mindestens es so machen wie die Frau, die am Rosenmontag in die Bäckerei kam und eigentlich nur Brezn kaufen wollte. „Keine Krapfen?“, fragte der Verkäufer. „Nein, eigentlich soll ich nur Brezn mitbringen.“ Beim „eigentlich“ hakte der Verkäufer ein: „Wie viele seid’s ihr denn?“ – „Fünf“, sagte die Frau. Und dann zur Überraschung des Verkäufers und aller Wartendenden: „Na gut, dann nehme ich noch zwölf Eierlikörkrapfen.“

Deshalb, zur Erinnerung. Heute ist nicht Butterbrezn-Dienstag. Nächsten Dienstag wieder. Und von mir aus jeden Dienstag. Aber heute nicht.