Erst im Januar ließ Dieter Reiter die Tempo-50-Schilder an der Landshuter Allee aufhängen. Anwohner Volker Becker-Battaglia (kl. Foto) sorgte nun dafür, dass sie wieder abgehängt werden müssen. © Schlaf, privat
Er hat die Nase voll. Seit 40 Jahren wohnt Volker Becker-Battaglia an der Landshuter Allee. Der Verkehr dort macht ihm zu schaffen: „An der Luftverschmutzung sterben tausende Menschen jedes Jahr in München – man sieht es nur nicht“, behauptet er. „Dabei ist es hochgefährlich: In meinem Haus gab es schon mehrere Krebsfälle.“ Deshalb hat sich der 63-Jährige gewehrt. Er war es, der mit einem anderen Anwohner jetzt erwirkt hat, dass an der Landshuter Allee erneut Tempo 30 gelten soll.
Die Vorgeschichte: Wie berichtet, hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am 13. Januar Tempo-50-Schilder an der Landshuter Allee aufstellen lassen, nach nur eineinhalb Jahren mit Tempo 30. Denn nach Auffassung der Verwaltung waren die Stickstoffdioxid-Werte wieder okay. Diese Entscheidung aber hat das Verwaltungsgericht am Montag gekippt. Nachdem Anwohner, darunter Becker-Battaglia, gegen die Wiedereinrichtung von Tempo 50 einen Eilantrag eingereicht und erreicht hatten, dass die Stadt jetzt wieder Tempo 30 anordnen muss. Reiter weigert sich aber, die 30er-Schilder sofort aufzuhängen. Er hält es „weder für sinnvoll noch für wirtschaftlich vertretbar“, Kosten zu verursachen, solange die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist. „Wir lassen die Entscheidungsgründe durch die Verwaltung prüfen mit dem Fokus, ob wir fristgerecht innerhalb von zwei Wochen Beschwerde dagegen einlegen“, erklärt Reiter. „Sollte der Stadtrat die Maßnahme Tempo 30 wider Erwarten bestätigen beziehungsweise die Entscheidung des Verwaltungsgerichts auch bei den nächstinstanzlichen Gerichten Bestand haben, wird diese natürlich unverzüglich umgesetzt!“
Becker-Battaglia, selbst Porsche-Fahrer, ist empört: „Dass Reiter im Wahlkampf die Tempo-30-Schilder abhängen lässt, ist Wahnsinn“, findet der Filmproduzent. „Jeden Tag fahren gut 160 000 Autos an meinem Haus vorbei.“ Laut ADAC sind die Stickstoffdioxid-Werte an der Stelle zwar 2024 erstmals unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gesunken. Aber es habe unerwünschte Rückverlagerungseffekte gegeben, erklärt ein Sprecher. „Es ist also davon auszugehen, dass sich täglich circa 9000 Fahrzeuge andere, kürzere Wege gesucht haben.“ Durch Wohnquartiere. Das sei „weder wünschenswert noch zielführend“. Wie berichtet, werden die Grenzwerte ab 2030 verschärft, dann gelten 20 Mikrogramm als Höchstwert. „Die Stadt müsste sich jetzt Gedanken machen, wie sie den Verkehr mindert, um sie einzuhalten“, meint Becker-Battaglia. Schon vor Jahren ist er ins Chiemgau „geflüchtet“. Die Wohnung an der Landshuter Allee nutzt er nur für berufliche Termine. „Es ging nicht anders.“ T. GAUTIER, M. KADACH