Viele Besucher waren originell verkleidet. © Lindenthaler
Christl Lang, scheidende Chefin der tanzenden Marktweiber, mit OB Dieter Reiter.
In bunten Kostümen reiben sich die zwölf Frauen die Hände. Es hat nur drei Grad. Eine Stunde müssen sie noch warten, dann ist es so weit: der traditionelle Tanz der Martweiber am Faschingsdienstag. Für fünf von ihnen ist es nach Jahrzehnten der letzte Auftritt.
Bevor es losgeht, treffen sich die Tänzerinnen am Stand ihrer neuen Sprecherin Susi Müller. „Heute ist es wirklich kalt, aber solange es trocken bleibt, ist alles gut“, sagt Hella Friedl. Sie ist einer der fünf in Rente gehenden Martfrauen. Schon vor dem Auftritt ist alles emotional: Vorfreude, Anspannung und ein wenig Wehmut. Tanzlehrer Christian Langer laufen einzelne Tränen über die Wangen. Auch er hört nach 22 Jahren auf. „Es ist so ein schöner Job, aber auch sehr zeitintensiv“, sagt er. Bei ihrem Einzug zur Bühne genießen sie ein letztes Bad in der Menge. Traditionell beginnen sie ihren Auftritt mit dem „Wagen von der Linie 8“. OB Dieter Reiter, Liedermacher Roland Hefter und Kabarettist Jürgen Kirner gehören zu den Fahrgästen in der nachgestellten Trambahnszene.
Insgesamt 13 Tänze führen die Marktfrauen jedes Jahr auf. „Zehn haben wir für euch neu einstudiert“, erklärt Lang dem Publikum. Langeweile kommt dabei also keinesfalls auf. Zum Hit „Wackelkontakt“ setzt Langer einen bunten Lampenschirm auf, später tanzen die Frauen mit Pompons. Dann ist es für die fünf Zeit, Abschied zu nehmen. Langer beginnt zu weinen. Alle Frauen umarmen ihn, kämpfen teils selbst mit den Tränen. Danach bilden die Damen ein Spalier. Die in Rente gehenden Tänzerinnen laufen einzeln hindurch und verabschieden sich. Als Überraschung gibt es für sie noch Urkunden von Dieter Reiter. „Die tanzenden Marktfrauen gibt es nur in München und dafür sind wir sehr dankbar“, sagt er. MTW